Schlagwort-Archive: bahnsteig

berlin-city

genauer, s-bahnhof-julius-leber-brücke …22.30 uhr. nach der lesung. gern hätte ich an diesem halbwarmen abend, noch mit vor dem cafè gesessen und die performance beredet. besonders marco, ein man zwischen 14 und 34 jahren blieb im kopf hängen. besser die zeilen aus seinem tagebuch. aber irgendwas trieb mich zum vorortzug. ich wollte heute noch ankommen. auf dem s-bahnsteig läuft eine Japanerin mit einem blauen luftballon aufgeregt hin und her. kein zug kommt. mit dem wort schienenersatzverkehr in der zuganzeige kann sie nichts anfangen. keine begrüßung, kein abschied. in der anzeige da oben steht: „bitte sev vor dem bahnhof an der südlichen bahnhofsseite nutzen.“ sie akzeptiert die anzeige nicht. irgendwann lässt sie den blauen luftballon, mit der hoffnung daran, in den nachthimmel steigen. sie nimmt ihr letztes bisschen mut zusammen und fragt, ob ich englisch spreche. ich nehme meinen zusammen…und sage yes, i can.  reicht jedenfalls, um ihr zu erklären, was südliche straßenseite und schienenersatzverkehr ist. in respektvollen abstand von zehn metern, stöckelt sie hinter mir her. nimmt aber dann den bus auf der nördlichen straßenseite. der weg war kürzer.

ich verstehe die mentalität der japaner nicht. der sev-bus auf der südlichen straßenseite , es steht sogar dran „s-bahn – südkreuz“, fährt auch tatsächlich bis zum südkreuz.

ziel 1 – ringbahn erreicht. im prinzip ist es egal, in welcher richtung man in die ringbahn einsteigt, ausser man sitzt im abzweig nach königswusterhausen, dann war’s das für die nacht. so schnell geb ich nicht auf und lasse mich nicht durch die kw-s-bahn verführen, obwohl sie zuerst da ist, wie ein verführerischer teufel oder engel (je nach konfession & fasson).

also genug zeit, um eine obligatorische currywurst auf dem oberen bahnsteig am südkreuz zu essen. und tatsächlich, die lauwarme wurst erinnert entfernt an currywurst. schon nach einer viertelstunde kommt auch die „richtige“ ringbahn und sammelt das strandgut der nacht auf:

letzte theaterbesucher, berlinbesuchende schwäbische sturm-und-drangschulklassen, deren eine hälfte sich verfuhr. erste penner, die es vom kalten bahnsteig in den zug zieht. die erfahrenen türkischstämmigen neuköllner und die unerfahrenen gerade angekommenen syrer, alle im selben wagen. der zugestiegene dünne mann, der den „straßenfeger“ verkaufen will, erfasst schnell die situation und… lässt es.  23.15 uhr am ostkreuz raus, umsteigen und richtung ostbahnhof fahren. dort gleis 1 für den vorortzug, wie immer, nehmen. nein! heute nicht wie immer.

der nächste zug fährt 4.46 uhr. jetzt ist es 23.30 ihr. ratlos gehe ich in der haupthalle auf ca. 20 sicherheitsbahnbeamte mit gelben warnwesten zu. alle verweisen mich auf die eine auskunftsberechtigte auskunft. die muss ich fragen, sagen die zwanzig sicherheitsbeamten. 23.40 uhr stelle ich mich an der auskunft an, die zum glück nur deutsch spricht… und so die ratlos anders sprechenden unbeauskunftet abziehen lässt. das bringt mir fünf minuten zeitvorteil. ich bin ein einfacher fall. mein zug fährt heute vom bahnhof lichtenberg ab 00.04 uhr. bis dahin die s-bahn nehmen, gleis neun. puh, das wird knapp. 00.02 uhr ankunft in lichtenberg, der zug steht am gleis 16. ich renne…00.04 uhr, er fährt pünktlich ab. ohne mich. kleiner zusammenbruch! alter, musst du dir das antun? …in deinem alter.

der zug ist also weg. dennoch stehen auffällig viele leute am bahnsteig. der zug, der vom bahnsteig 16 fuhr, war der verspätete zug nach cottbus, gegenrichtung. wo ich stehe, ist bahnsteig 15, der verlängerte bahnsteig 16 also, je nachdem, von welchem ende man kommt. in der anzeige steht, dass ein vorortzug 10 minuten verspätung hat. hoffnung. es ist „mein“ zug. 00.20 uhr „mein“ zug trifft nach 20 minuten verspätung ein; 00.25 uhr abfahrt.

ein neuer tag beginnt.

Werbeanzeigen