lesebühne FÜRWORT 03/16

der frühling hatte seit einer woche in berlin einzug gehalten. die leute treibt es tagsüber in die parks und abends in  lesecafé’s wie das naumanndrei.

so hatten die veranstalter (matthias rische, jo lenz & michael messer) noch etwas zu tun, zusätzliche plätze in dem schon vollem cafe zu organisieren. nachdem auch jeder gast sein getränk hatte, ging es leicht verspätet mit gesang vom angekündigten liedermacher tom van orten los. dabei erinnerte tom mit seinem titel „ulf“ an ulf henrich, der hier auch schon mit seinen darbietungen brillierte. das publikum wurde einbezogen und „ulfte „hervorragend mit. tom’s repertoire ist vielgestaltig…und macht auch vor dem gesang der regenwürmer nicht halt. am besten, man schaut mal auf seine website, um sich einen ersten eindruck zu verschaffen.

die eigentliche lesung wurde von matthias rische eröffnet und widmete sich dem thema einsamkeit mit dem text „die erste stunde“.  michael messer folgte mit dem text „indianer“ einer kindlichen perspektive und die dritte im bunde der veranstalter, jo lenz debütierte mit dem text „im rausch verirrt“.

anika pfahl

anika pfahl (oben) und cathie janetzki sorgten dafür, dass das publikum neue autorenstimmen hören konnte. beide auf ihre art, sehr überzeugend. anika pfahl verzichtete sogar noch auf die rettenden seiten und trug ihren text frei vor – chapeau.

 

mit fünf liedern von tom und zehn anspruchsvollen autorenbeiträgen war das aufmerksamkeitpotential der lange freundlich applaudierenden gäste ausgereizt. es wurde alle anwesenden versprochen, dass die veranstaltung FÜRWORT am 28. april um 19.30 uhr im cafe  naumnndrei in bester qualität fortgesetzt wird.

 

 

 

 

 

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cover 33

allein, dass man die 33. gunderman-cover-band ist, würde gundi gefallen, so wie john lennon, oasis.

aber, er hat sich ja was gedacht auf seinen bagger t 1417. der singende baggerfahrer gerhard rüdiger gundermann, als der er nie gesehen werden wollte. gundi wollte nicht nur die lausitz aufrollen.  soviel wert wie möglich, wollte er mitnehmen. nachts auf’m bagger kannste nicht fotografieren. aber schreiben, aufschreiben, singen…denke ich mir.

wahrscheinlich haben die ketten gern in h-moll gekreischt. er kommt gern auf diesen akkord zurück. seine bilder, die er in das land wirft, zaubern mit ihrer poesie. sie erzählen von alten lustvollen weigern, von aktentaschen und frühstückstafeln. von brigadekassen und kahnfahrten. von fernen ländern und kaputten fahrrädern. von ein einem land, das mit ihm gemeinsam unterging…weil er vielleicht der letzte war, der die kindererinnerung hatte, in dem das untergegangene land gern erinnert werden wollte. es waren die geschichten über das nicht bezahlbare, über ein leben das stattfindet ohne kohle, weil …den ganzen tag kohle baggern reicht.

wenn der sommer im juni kommt, wird gundi zum 18. mal auf seiner wolke vorbeisegeln und schauen, was wir mit seinen musikgespinnsten so anfangen. und tatsächlich begreifen wir …langsam, dass der mann der so gern den tod besungen hat, ein erbe hinterliess.

 

 

 

zwei jahre lesebühne…

…FÜR_WORT in berlin und ab september 2014 im lesecafé naumanndrei. ein jubiläum also, das gefeiert wurde. presse, rundfunk und fernsehen, waren zum glück noch nicht da, sonst wäre das kleine café aus allen nähten geplatzt. das veranstalterteam um rische/messer/lenz sorgte, wie immer, für die prickelnde atmosphäre des neuen**.

das cafe war bestens gefüllt, allein die fanschar von marcel obersteller füllte (gefühlt) die hälfte der plätze. für musik an diesem jubiläumsabend sorgte der frontmann der band schmoos, friedrich witte*.

friedrich

FRIEDRICH WITTE

er startete gleich blusigfunkig mit ich mag musik. damit war schon mal ein motto für den abend gesetzt. matthias rische folgte mit, die fünfte jahreszeit …und es war nicht der karneval gemeint – harte kost zu beginn, sehr gut geschrieben. genauso wie seine zweiter text: allein.

m. rische

MATTHIAS RISCHE

lustiger wurde es erst, als marcel obersteller  das podium mit dem brot von gestern betrat.
seine fanschar war schon aus dem häuschen als das mikro nach dem ersten satz kichernd absackte…MARCEL OBERSTELLER ist sportwissenschatler und autor. das schreiben begann er so nebenbei, als ausgleich zu seinem anstrengenden job. herausgekommen sind kurzgeschichten über das alter und den pflegerischen umgang mit den alten. saukomisch und dabei nie diffamierend.

marcel o.

MARCEL OBERSTELLER

MARIA VIKTORIA reist aus hamburg an und behauptet von sich ein übergewichtiger lastwagenfahrer gefangen im körper einer sensiblen poetin zu sein. und genau so, hat sie sich auch auf der lesebühne präsentiert. sensibel, radikal, schonungslos und very straight.

maria victoria

MARIA VIKTORIA

die zweite vortragende dame an diesem abend, die mitgastgeberin jo lenz, brachte in souveräner art & weise ihre texte muschelwaschen und schicksalstropfen den zuhörern nahe.

jo lenz

JO LENZ

und wenn wir bei den gastgebern sind, der dritte im bunde ist michael messer. er führte durch das programm, ging mit dem hut durch die reihen und fragte mit einem seiner beiträge warum?

m. messer

MICHAEL MESSER

nach kurzweiligen zweieinhalb stunden war der offizielle teil der jubiläumslesung vorbei. sie schloss mit dem ausblick auf die nächste lesung am gründonnerstag, den 24.03.2016 an alter stelle unter anderem mit anika pfahl (poetryslam) und tom van orten (musik) .

 

*alle gespielten songs von friedrich witte/jo lenz hier:

ich mag musik

manchmal (premiere)

wenn du schlafend bei mir liegst

weitersehn

Sternschnuppen

tschüss bis morgen

(mehr über http://www.schmoos.de)

 

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** die rechte aller texte liegen bei den jeweiligen vortragenden autoren. im video handelt es sich um auszüge. die rechte der songs liegen bei friedrich witte. veranstalter: lesebühne FÜR_WORT 02/2016.
(text & bild: f. wallnuss / frank.wallnuss@outlook.com)

 

 

nachlese 1/2016

die lesebühnenachlese im januar des neuen jahres 2016 kommt nicht umhin, die perlen zu bewundern, die da in’s publikum geworfen wurden. lesebühne FÜR_WORT ist eine monatliche veranstaltung im berliner cafė naumann drei.

anwesend waren neben den veranstaltern (rische /messer) anita liebmann, bastian geiken und ulf henrich. *

anita liebmann

anita liebmann liest

bastian geiken

bastian geiken liest

ulf henrich

ulf henrich singt 

wer als gast auf seine kosten kommen wollte, musste nur eins, gut zuhören. alles was da auf kleiner bühne präsentiert wurde, verdient das wort kunst. fernsehmacher können von sowas nur träumen.

ulf, der rocker unter den liedermachern, eröffnete musikalisch mit dem hinweis, so ist das leben. vollständig lassen sich die songs von ulf über seine website beziehen oder anhören.

matthias rische fügte der gesungenen einsicht von ulf seine sicht der dinge zu. und auch anita liebmann, preisträgerin des berliner autorenforums 2015, hatte genau hingeschaut, auf das leben.

bastian geiken als klassischer vertreter der fraktion poetry slam, zitierte aus seinem eigenen gedichtband, schon fertig gedruckt.

jeder der wortkünstler hätte wohl an diesem abend seine eigenes programm machen können, so fesselnd war’s.

was das team der lesebühne monatlich präsentiert ist eine premiere der kleinkunst in berlin, nur an diesem einem abend zu sehen. ein gewinn für alle, die es schaffen, dabei zu sein.

m. rische

mat rische liest

micha messer

michael messer liest

morgen, donnerstag am 25.02.2016, ab 19.30 uhr, findet im lesecafé „naumanndrei“ die zweite lesebühne des jahres statt. einfach hinkommen & staunen.

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*die rechte aller texte liegen bei den jeweiligen vortragenden autoren. im video handelt es sich um auszüge. die rechte der songs liegen bei ulf henrich. veranstalter: lesebühne FÜR_WORT 01/2016.
(text & bild: f. wallnuss / frank.wallnuss@outlook.com)

 

 

lesebühnennachlese 11/15

es wurde dolle weihnachtlich im lesecafé naumanndrei am letzten novemberdonnerstag. wie es sich an weihnachten gehört, wurden märchen vorgelesen. nun die ganz kleinen waren schon im bett und die grossen amüsierten sich an den märchenmordgeschichten des vortragsduos janku/danielzick. Juliana janku kommt aus albanien und hat durch ihre grossmütter eine beziehung zu märchen in die wiege gelegt bekommen. freundlicherweise hilft ute danielzick (noch) beim märchenvortrag aus. genausogern und gut hätte sie gesungen. textauszug märchenbartloser.

eröffnet wurde der leseabend traditionell musikalisch, diesmal vom frontmann der band thetruthberlin, fabian. (video vom opener song). fabian singt seine songs konsequent englisch, the truht in berlin. die veröffentlichte cd der band heisst „riverbank sessions“, zum nachhören.

die erste story des veranstaltenden lesebühnenteams trug matthias vor: „der mann der die tauben aufzog“. (video textauszug) . ein wunderbare story mit einem wundersamen ende.

applaus – und gleich wieder der druckvolle sound von fabian (video song 2).

wieder zeit für etwas mehr weihnachtsstimmung: die kam mit jo lenz und ihrem prolog zu „zwei engel für den geist der weihnacht“.  weitere kapitel sind in einem kleinen buch, nikolausgeschenktauglich, verlegt.

michael messer, der zweite mann vom veranstalterteam der lesebühne, stellte mit seiner shortstory klar, was ein theoretiker ist. nina bodenlosz erinnerte mit ihren vortrag an die zeit vor dem sommer… und mit song 3 von fabian ging es auch schon in die „hutrumgehpause“.

“ all the way back in to the night“ singt fabian zu beginn des zweiten teils der lesebühne. michael messer stellt mit einem weiteren text ’n genervten buchverleger vor. mattthias bespricht die dame im schaukelstuhl…aus der sicht eines museumswärters.
kurzer song von fabian und schon kommt eine misteriöse ladies night (nina bodenlosz). ein paar schneewehen noch (jo Lenz) und ganz zum schluss nochmal ein märchen  (janke/danielzick) und schon war das vorweihnachtliche lesebühnenspektakel vorbei.

…allerdings nicht ohne die hinweise auf die erste lesebühne in 2016 am donnerstag den 28.01.2016 um 19.30 uhr im naumanndrei, berlin-schöneberg.

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*die rechte aller texte liegen bei den jeweiligen vortragenden autoren. im video handelt es sich um auszüge. die rechte der songs liegen bei fabian langner. veranstalter: lesebühne FÜR_WORT 11/2015.
(bild: f. wallnuss / frank.wallnuss@outlook.com)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

haase und bär…

ist so korrekt geschrieben. christian haase erzählt im laufe seines solokonzerts (hier in ffo am 23.01. 2016, foto) die grausame geschichte von einem bären und einem tapferen hasen der es aber wagt, die entscheidende frage zu stellen. diese kurzen geschichten sind teil seines soloprogramms, dass trotz einer zweieinhalbstundendauer keine minute überlänge hat. immer wieder baut er spannung auf, auch bei den zugaben. wunderbar hier, die homage an seine geburtsstadt leipzig.

christian haase ist ein bekannter name unter den jüngeren deutschen liedermachern. zum glück gibt es immer wieder leute, die ihre umgebung genau genug aufnehmen, um sie musikalisch spiegeln zu können. christian besingt das was ihm zwischen leipzig, berlin und sizilien widerfahren ist. er lässt sich von alten 92-jährigen damen im spreewald genauso inspirieren (könnte, ist das schlimmere nie)  wie von streitenden ehepaaren auf den balkonen in berlin-britz. das ganze wird in poesie übesetzt wie hier im lied von der weissen wolke carolin. christian kann poetisch & politisch. das letztere ohne zu agitieren. hier wird er besonders konkret, wenn er als frontmann der „seilschaft“ gundermannsongs präsentiert. längst hat er auch das format eines gundermann erreicht und schafft es, ein publikum mit seinen liedern in den bann zu ziehen. dabei bleibt er immer höflich.

aber egal in welcher formation, er überzeugt mit seinem auftritt.

geht mal in ein christian-haase-konzert, eure ohren werden es euch danken.

 

 

der kleine bruder singt…

…und wie er singt. und sein grosser bruder lässt ihn hängen; bei einem aufnahmeritual in einem englisches collage. er wird brutal getauft, wie alle bisher. und das er schön singen kann, rettet ihn am wenigsten vor der brutalität der eifernden burschengemeinschaft.

diese szene entstammt dem film „furyo – merry christmas mr. lawrence“ mit david bowie in einer hauptrolle, erschienen 1983. eigentlich geht es um die widrigkeiten für britische soldaten in einem japanischen kriegsgefangenenlanger 1942. es gibt eine rückblende die erzählt, wie der gefangene major (david bowie) seinen kleineren bruder, während einer art burschenschaftstaufe, auf sich gestellt lässt; obwohl er helfen könnte…als grösserer bruder.

der kleine bruder soll während des rituals sagen, was er am besten kann. er kann singen. er soll singen.
der kleine singt sich seine seele aus dem leib. es rettet ihn nicht. danach sang er nie wieder.

diese kleine nebengeschichte der rückblende macht den film für mich besonders wertvoll; sie erinnert an menschlichkeit und kunstverständnis zugleich.

(gesehen auf arte, 12.01.2016, remember david bowie)