fahrrad verhaftet…

…und ich mit. „bitte folgen sie zur feststellung der personalien auf’s revier. das fahrrad…ähm das fahrrad… bekommt solange ihre mitfahrerin.“ die mitfahrerin war meine freundin, die ich, zugegeben etwas angeheitert, auf dem dem bürgersteig kichernd nach hause chauffieren wollte.

ein lustige sommerparty in einer laubenkolonie war gegen mitternacht zu ende gegangen. freundin und ich rollten auf dem herrenfahrrad einen gartenweg entlang. auf dem bürgersteig der angrenzenden straße ging es weiter. null verkehr. langsam tasteten, von hinten kommend, scheinwerfer auf uns zu. freundin bettelte, absteigen zu dürfen, wenn jetzt die bullen…ach quatsch, sagte ich: die bullen jagen verbrecher, richtige schwerverbrecher und nicht beschwipste radfahrer. das auto kam kurz vor uns zu stehen. zwei polizisten sprangen heraus: „anhalten, ihre papiere bitte!“

papiere hatten wir nicht. wir wohnten um die ecke. „wer ist der fahrzeugführer?“ ich. „haben sie eine fahrerlaubnis?“ja. „wo?“ zu hause. „können sie sich ausweisen.“ nein, aber ich wohne…“kommen sie bitte mit zur feststellung eines sachverhaltes auf das revier.“  zwei kleine schubs …und schon sass ich in dem auto ohne innenklinken und mit kindersicherung. fehlte bloss noch blaulicht und martinshorn…im revier gab es so eine zelle, ein zelle wie ich sie bisher nur aus amerikanischen filmen kannte. also, eine teil war abgesperrt mit mannshohen gittern, dahinter ich.

zwei ziemlich betrunkene krakelten darin schon rum. eine blasse frau übergab sich. ob ich mit einem alkoholtest einverstanden wäre. natürlich. „bitte, gehen sie hier genau auf diesen weissen strich lang…und jetzt, umdrehen und zurück“ eine frau mit weissem kittel erschien, band mir den arm ab, und schob mir mit nachdruck eine spritze in den arm. jetzt wurde ich auch blass und wollte mich übergeben…

der schnelltest ergab: wahnsinnige 0,5 promille blutalkohol. „…und, sie haben sich wissentlich angetrunken auf das fahrrad gesetzt?“ ich: ja. irgendeinem leitenden volkspolizisten auf dem revier war die oper jetzt doch zu  peinlich. er erklärte mich für entlassen, den sachverhalt für festgestellt und bat die erfolgreiche fahnder mich bei der nächsten streifenfahrt nach hause mitzunehmen und dort abzusetzen.

es war jetzt früher morgen.. gegen vier uhr. die sonne ging auf. papiere wollte keine mehr sehen.

zwei monate später erhielt ich noch die mitteilung, dass ein verfahren gegen mich wegen geringfügigkeit eingestellt wurde. die post kam an, da die adresse ordnungsgemäß und amtlich festgestellt worden war.

(geschehen anno 1985 im oderland)

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