macht das klavier zu…

mikusch kämmet. mikusch, das war mein spitzname den ich als dreijähriger  von den bauern im dorf bekommen hatte. den bauern ging es in den ersten zehn nachkriegsjahren gut. sie hatten alles was städter in den hungerwintern irgendwie entbehren konnten. silberbesteckkästen, porzellansammlungen, goldene kronleuchter, pelzmäntel…und eben dieses schöne schwarze klavier, das keiner bespielte. nur ich. ich konnte es auch nicht. habe mich aber diesem interessanten stück möbel vorsichtig von unten genähert und nach und nach die funktionen erkundet. man lies mich machen. aber sonntags, wenn die gäste in das angeschlossene lokal des bauern kamen, in dem das klavier stand, war definitiv schluss:

macht das klavier zu, mikusch kämmet!

mein bespielen des klaviers hatte zumindest den vorteil, dass die frei laufenden hühnen des bauern wieder aus dem resonanzboden stürmten und ihre eier woanders ausbrüteten. eines tages fand ich das klavier verschlossen. der alte großbauer war verstorben. ich vermute, er war doch heimlicher fan. nur sagte man das damals noch nicht so.

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