Archiv für den Monat Oktober 2015

der neger weiss

…wurde zu einem der wichtigeren familienfeste der familie weiss geladen. heute sagt man das nicht mehr so, aber damals dachte man sich nichts dabei. er war von aussen weiss, so wie sein name. aber innen war er neger geblieben – auch wie sein name. er ging da nicht gern hin. aber diesmal hatte er keine passende ausrede. ausserdem war er ein bißchen neugierig, was es wohl wichtiges bei den weissen’s gäbe.

diesmal konnte sich die festrunde gar nicht einkriegen. es ging um die farbigen, sie sagten nigger, die araber, sie sagten kanaken und die vietnamesen – sie sagten fidschis, die es wagten, in  dieses göttliche land einzudringen – ohne gross nachzufragen. die die nichtvorhanden arbeitsplätze wegnehmen und ganze supermärkte in windeseile leer räumen. der neger weiss sagte zu all dem nichts, bedankte sich freundlich für die einladung und ging zur gegendemo.

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lesebühne in schöneberg

die zweite veranstaltung, der lesebühne im „naumanndrei“ an einem monatsletzten donnerstag in berlin..und, herbst ist auch schon seit ein paar tagen. es ist etwas kühler, etwas dunkler, die leute treibt es nicht mehr so vor die tür. als der spass kurz nach halb acht beginnt, ist es schon dunkel. jo lenz, matthias rische und michael messer, die veranstalter von fürwort, eröffnen den abend.  burkhard und glenn sorgen mit akkordeon und trompete für einen start mit caprifeeling im 50er-jahre-sound. etwas urlaubsnachgeschmack ist dabei, etwas südliches im sound, das ich aber nicht weiter vermisse. dann auch schon texte von den machern, jo und micha.

dann erscheint ein basecape. unter dem basecape marko mit seinem bitterbösen tagebuch. das tagebuch hat er im original dabei. die seiten sind über die jahre abgegriffen. die geschichten dazu nicht. sie schieben sich direkt unter die haut.

auch diana knauthe überrascht durch stimme, klangfarbe, aussprache und story. ihr auftritt – ein spannender kurzkrimi. dann matthias mit dem ungewohnten tiefgang in seinem geschickten. nichts seichtes, was da plätschert. schon ist pause… und der obligatorische hut geht rum.

es folgt der zweit durchgang mit den akteuren vom ersten. nichts zieht sich sich. alles ist neu. es ist für alle beteiligten ständig premiere. das ist für mich das besondere an dieser lesebühne in schöneberg. du musst dabei sein. es gibt keine fernsehaufzeichnung. live is live – liver geht es nicht.

marko läuft gegen ende noch zur hochform auf. seine gewonnenen poetryslams sind verdient. ein lob den machern der lesebühne septmber 2015 die das ganze zu einer kurzweiligen runden zweistundenshow gefügt haben. im oktober bin ich wieder dabei.

und ausserdem: die getränke sind bezahlbar. der service stimmt. der abschied tut schon ein bisschen weh.

hinweis: die rechte an den hier vorgestellten texten und textauszügen liegen ausschliesslich bei den lesenden autoren.

fotos/film: wallnuss

unsicher…

waren sie geworden, in dieser ostprovinzstadt . erst mal so tun, als wäre nichts gewesen. wenn wir so tun, als wäre hier nichts eingegangen, glaubt er vielleicht, er hätte nichts abgeschickt. wenn er was will, soll er nachfragen.

er fragte nicht nach. er hatte seinen antrag anfang des jahres 1989 gestellt. zur kommunalwahl 1989 ging er in den berliner tierpark, affen anschauen. der kommunale personentransporter zur maiwahlurne wartete umsonst vor der tür. die kandidaten der nationalen front bekamen meine stimme nicht. nicht zu dieser wahl zu gehen, heissst: ich heiss xyz, wohne dort und dort, mit dem und dem….und einen ausreiseantrag habe ich schon gestellt …und ihr könnt mich mal…

das heisst auch, deine mittagspause verbringst du ab jetzt allein. deine kollegen schneiden dich, sagen nur noch: mahlzeit.

mittlerweile ist es august geworden. die ersten kollegen setzen sich wieder an deinen tisch, wenn die anderen gerade nicht gucken. erzählen vom neuen forum…und das mal was passieren müsste. das mal wer den mund aufmachen müsste. das endlich mal wer den mund aufgemacht hat. und du ? fragte ich. ich, in meiner position …denkste du, ich will, dass es mir so geht wie dir. (da waren wir noch nicht das volk.)

wir sahen uns nach einigen jahren wieder. ich lebte wieder bei der stadt, von der ich 1989 loszog. ich beantragte akteneinsicht. der zufall wollte, dass ich diesen einen kollegen wieder traf. kurz bevor ich meine akte zu sehen bekam.

glaub mir, wenn du dann liest, sagte er unsicher, ich war nur ein ganz kleines licht. ich wurde unsicher: von wem wusste er, dass ich lesen wollte…

bob dylan, also…

…wieder in berlin und mittlerweile auch in leipzig. seine auftritte sorgen regelmässig für ausverkaufte konzerte. und in der tat, dieser mann bietet seinem publikum was. nicht eine schmalzige komplizenschaft, welche durch „berlin, i love you“, herzustellen wäre. nein, er sagt gar nichts. er beginnt sofort darüber zu singen, dass sich dinge verändert haben. und aus einem mir sehr angenehmen grund erzählt er seit 50 jahren über eine künstlerin, der man an halloween eine trompete geben sollte und zu weihnachten eine trommel. das singt er so gekonnt neben der ursprungsversion, dass es fasst schon ein neuer song ist. und dass ist  der grund, warum man auf dylankonzerte gehen sollte. selbst die scheinbare gleichförmigkeit der setliste, vergisst du sofort, wenn du die, jedesmal andere interpretation, eigentlich bekannter songs hörst. am schluss dieses konzertes war es „blowing in the wind“. ich habe den halben song benötigt, um es zu erkennen. das ganze findet in einem musikalisch perfekten rahmen einer elitären begleitband statt. kein musiker wird vorgestellt. einmal, für drei sekunden am schluss, verneigen sich alle vor dem publikum. spot aus – abgang.

brav habe ich meine kamera bei der einlasskontrolle abgegeben. und sie auch gesund wieder bekommen. das war hilfreich. so konnte ich mich tatsächlich voll und ganz auf das konzert im berliner tempodrom (14.10.2015) konzentrieren. bob dylan hat keine schöne stimme, aber eine – mittlerweile –  sehr erfahrene, mit der er sich an interpretationen von sinatra oder yves montand heranwagte…und gewann. das musikalische gerüst wird sicher von der band getragen. dazwichen, zwischen den noten, singt, haucht, näselt, krächzt, schmalzt und schneidet ein bob dylan mit einer bravour die eine bravo zwischendurch erlaubt. und diese zwischenrufe waren öfter zu hören. das vernahm der barde. und es tat ihm gut. auch wenn am zweiten tag dieser konzertfolge das haus nicht vollständig ausverkauft war. bob dylan ist 74 jahre und entwickelt sich immer noch. ich gönnen noch vielen nach mir dieses unvergessliche erlebnis.

auf der straße kullerten ein paar rollende steine direkt in richtung heim. ein strassenmusiker wies den weg.

reszensionen zu diesem konzert: morgenpost   tagesspiegel   leipziger volkszeitung

setlist: (oktober 2015)

  1. things have changed
  2. she belongs to me
  3. the night we called it a day
  4. duquesne whistle
  5. what i’ll do
  6. pay in blood
  7. i’m fool to want you
  8. all or nothing at all
  9. long and wasted years
  10. scarlet town
  11. antum’n leaves
  12. blowing in the wind
  13. love sick

wir tun so….

als wären es die kriminellen schlepper, die schleuser, die menschen zu einer flucht animieren, um reich zu werden…oder sich am elend der flüchtenden aus syrien zu bereichern. frontex soll die fluchtwerkzeuge, in diesem falle aufblasbare boote, zerstören. das ist augenwischerei…und alle beteiligten wissen das.

es sind die unübersichtlichen verhältnisse in syrien, um nur bei einem land zu bleiben. die die menschen zur flucht treiben. ein teil der konflikte sind folge der kolonialstruktur vergangener jahrhunderte mit frankreich, großbritannien und der türkei als kolonialmächte. dazu kommen der neue kolonialkonflikt mit dem staat israel (1948 gegründet) auf arabischen territorium. eine panarabische union mit ägypten wurde in den 60-ziger jahren des vergangen jahrhunderts wieder aufgegeben. als regierungsform wurde eine art staatssozialismus, ähnlich wie in libyen und ägypten „erputscht“. mit dieser, aus unserer sicht undemokratischen form des regierens, sah sich syrien mehr auf der seite des ehemaligen ostblocks und erhielt dessen solidarität und technik, soweit gewünscht, in den 70-iger und 80-iger jahren des vergangenen jahrhunderts.

der ständige konflikt mit israel trieb über jahrzehnte palestinenser in das land, die als flüchtlinge kamen und teilweise syrier wurden. der hoffnungsvolle arabische frühling seit 2011 führte zu einer aufruhr gegen die syrische regierung, aber nicht zu deren ablösung. die opposition war uneins. nur gegen assad zu sein, reichte nicht. das land syrien löste sich in gebiete mit unterschiedlichen militärisch abgesicherten interessengruppen auf; ein bombengeschäft für waffenhändler. dazwischen gab es einen religiösen konflikt, der zum entstehen eines sogenannten kalifats, den islamischen staat (is) führte.

hier liegen einige ursachen, die dazu führen, dass menschen ihre heimat verlassen, leid durchlebten und alles dafür tun werden, dorthin nicht mehr zurück zu müssen.

andere ursachen haben etwas mit dürrekatastrophen, landwirtschaft und missernten zu tun.

alles was wir für diese flüchtlinge tun können, können wir hier tun. wir können sie aufnehmen und integrieren. wir werden ihnen unsere sprache lehren, die zugleich kultur und religion ist. hierauf sollten wir achten. wer die sprache nicht lernen will, hat das kleine gastrecht. es wird nicht konfliktfrei gehen. aber es ist das, was wir tun können, weil es möglich ist, egal wie hoch die angstzahlen der zu uns kommenden getrieben werden.