Archiv für den Monat August 2015

wir haben schwein gehabt…

…das, mit den alten nazis mussten wir nicht mitmachen.

wir waren nicht da.

das, mit der hiroshimabombe mussten wir nicht mitmachen,

wir waren ungeboren.

das, mit der maueröffnung mussten wir nicht mitmachen,

…wir hatten es verschlafen.

nun endlich: zeit um aufzuwachen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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no direction home (film-scorsese, 2005)

no direktion home …er wollte wieder nach hause, spricht er am anfang des films. er: bob dylan, rob, robert, robert zimmerman. drei stunden dokumentarfilm von martin scorsese aus 2005 zeigen einen künstler auf ersten höhepunkten seiner laufbahn in den mittsechzigern des vergangenen jahrhunderts. bob war 25 Jahre jung. es gelingt an hand eines dylaninterviews aus 2005 bob dylan zu seinem künstlerischen impressionen in den sechzigern zu befragen. er weicht nicht in ironie aus. bleibt ehrlich, so dass sein künstlerisches credo sichtbar wird. er hat die gabe, allgemeingültige botschaften mit volksliedähnlichen melodien zu vereinen, der geborene singersongwriter. aber er wollte sich ausprobieren, nie in eine schublade gesteckt oder politisch vereinnahmt werden. ausgebuht werden, wegen seiner künstlerischen wandlung, wie währen der englandtour 1966 schmerzt ihn. er verdrückt eine träne. eine reihe von zeitgenossen die im film berichten, lebt nicht mehr: woody gothrie, pete seeger, suze rotolo. wenn es um die künstlerische entwicklung von bob dylan geht, sind sie in ihren aussagen, die scorsese zusammengetragen hat, sehr präzise…das ego von bob hängt immer mit dran. dennoch gelang es scorsese das sehr private, weitestgehend draussen zu lassen…wenn es nicht gerade um joan baez ging. sie war mit bob dylan auf dem new-poft-folksinger-festival eine weile lang der überflieger. grandios die aussage, in der sie beschreibt, wie bob dylan einen song von ihr lobt, den er geschrieben, aber schon längst wieder vergessen hat. das ist die stärke des films. er kommentiert nicht. er reiht die aussagen der zeitgenossen  zu einer perlenkette auf, zeigt die wurzeln und das verändern nachvollziehbar auf. natürlich wird – als sahnehäubchen gezeigt, wie der rocksong „rolling stone“ entstand, entstehen musste. wie zufälle im studio den  song noch besser machten. und, wie er mit singersongwriterversion von „baby blue““ ein schockiertes publikum auf dem folkfestival von newport wieder beruhigt.

bob dylan hat seinen beitrag für die kulturelle revolution der 68’er geleistet. seine songs wurden auf den demos für bürgerrechte beim marsch auf washington gesungen. manchmal war er mit dabei. beim vietnamkrieg hielt er sich mit stellungnehmen zurück. er hatte seine songs für das thema krieg & frieden. man darf nicht vergessen, dass seine begleitband vom kennedymord in dallas 1963 noch traumatisiert war, so wie das ganze land amerika (usa). nicht jeder wollte in dallas auftreten. einer stieg vor dem konzert dort aus. umso mehr zollte bob denen respekt, die blieben.

bob dylan ist 74 Jahre alt und tourt weiter.  im oktober 2015 ist er im tempodrom in berlin, an zwei tagen. in gewIsserweise eine referenz an das berliner publikum. zuletzt sah ich ihn in der spandauer zitadelle (2013). ein freundlicher engagierter bob dylan, mit einer engagierten  jungen band an seiner seite. so gibt man sein erbe weiter. er macht das was er am besten kann, seine songs zeigen und (neu) interpretieren. den spiegel so halten, dass du dich in einer ecke noch findest.

sinngemäss sagt bob dylan im filminterview: meine besten interpretationen findest du nicht auf platte. die entstanden alle auf konzerten. bob dylan gibt sein bestes, wenn sich ein publikum findet, das zuhören will.