Archiv für den Monat Mai 2015

on the road, jack kerouac

…der, der auf der straße bleibt, stirbt zum schluss auf den schienen. das steht schon nicht mehr im roman, aber wer sich mit dean bzw. dem alter ego von dean näher beschäftigt, weiss um dieses ende. das ende von einem der immer unterwegs sein musste, den es nicht hielt im trauten heim, einer stadt, einem land. der nur lebte, wenn er unterwegs war und bepop hört. on the road ist die geschichte von dean moriaty, aufgeschrieben von jack kerouac. beide wurden sie nicht alt. beide mussten sie den preis für ein leben zahlen, das von zwei enden her gleichzeitig abbrannte. beide  wussten darum, beide wollten es so. es gibt seit 2012 einen film dazu. eher hat sich keiner an das verfilmen der story gewagt. auch nicht francis ford copolla, der die filmrechte erwarb. letztlich zählt das buch dessen 49. auflage ich las und das erstmals 1957 erschien. das grosse thema ist die freiheit der straße und die frage, wo man schläft, wie man was zu essen… und spass bekommt. das alles gekonnt zu verbinden ist der rote faden, der sich durch on the road zieht. die story erschien 1957 und wirkt immer noch so, als wäre sie gestern passiert. oder vor fünf monaten…oder vor fünf jahren. zeitlos sagt man wohl dazu.

„on the road“ ist ein schlüsselroman der geistige wurzeln legte für die kommende hippiebewegung, vom weg nach san franzisko mit blumen im haar. ein traum von freiheit, den man sich zu gegebener zeit nehmen muss, auch wenn klar ist, dass das glück kurz und endlich sein kann. aber mehr ist ja glück auch nicht. kerouac war einer der betniks, der schreiber, bei denen sich bob dylan und generationen von rockmusikern die inspiration für ihr werk holten. es ist der traum, voo einer nicht endenden fahrt auf einem laster mit strohballen, der einen in einen sommernachts  mitnimmt. man liegt eine nacht auf diesen ballen, trinkt mit ein paar anderen trampern whisky und schläft mit fetten sternen im blick langsam tuckernd ein.

Werbeanzeigen

unsere mütter…

sonntag ist dieser muttertag. der tag mit dem größten beigeschmack im mai. ein mehrfach vergewaltigter tag, der jetzt wieder unpolitisch daher kommt. war schon mal zwölf jahre ganz anders gewesen. das gewese um diesen tag stört mich. einerseits wegen dieser vielen verbiegungen, anderseits wegen des commerz. zum glück sind blumenhändler keine waffenhändler. ich gönne ihnen persönlich den umsatz, nicht dem system. die blumenhändler haben sonntags ihre läden geöffnet. eigens für diesen tag …und machen das geschäft des jahres. dann ist bis zu dem ding mit den weihnachtsbäumen lange zeit ruhe. aber blumenhändler sind für die anlässe nicht verantwortlich. sie bedienen sie. meine mutter bekommt ihren strauss.

unsere mütter, unsere väter – haben lange zeit nicht über ihre zeit im letzten krieg sprechen können. wahrscheinlich wäre es wehrkraftzersetzung gewesen – oder defätismus, was seinerzeit das selbe war. etwas besser begreifen können wir das geschehen an hand von nachvollziehbaren geschichten. eine neuere davon, die mich tief berührte, ist dieser fernsehdreiteiler aus 2013, „unsere mütter, unsere väter“. der film ist hervorragend besetzt …bis in die nebenrolle der familie die in die wohnung der verschleppten goldsteins einzieht. diese kleine authentischen dreckigen bemerkungen zu den eigenen kindern…erziehung die bis heute nachwirkt. (berlin ist judendfrei.) ganze städte haben so für sich geworben. und auch unser nachbarland polen hatte zu den juden -trotz unermesslich eigenen leids- ein zwiespältiges verhältnis. das alles ist in diesem filmdreiteiler deutlich und unverblümt aufgearbeitet worden. auch die vergewaltigung deutscher frauen durch enthemmte soldaten der roten armee.

die deutsche wehrmacht hatte für diese triebabfuhr zivilisierte eigene bordelle in denen nach dienstrang bedient wurde. aber das ist schon wieder eine andere geschichte.

die beziehung zu…

twitter…

…..ist unter umständen auch die kürzeste form von literatur, ein wert liegt in der beschreibung des moments, des gefühls. misslingt das, ist es immer noch ein guter entwurf.

im april sagte h.k. , eine erfahrene autorin auf twitter, zu mir, dass verständlich ist, dass nach fünfeinhalb jahren twittern mal die worte ausbleiben. das war ein kommentar zu einem tweet der sich mit einem fest und einem abschied beschäftigt. der tweet war in sekunden geschrieben und gepostet. da stand er nun, einer von vierzigtausend. ein abschied?

erste nachfragen kamen. nein, keine selbstverbrennung und beweihräucherung. eine notwendige pause, um die gedanken von der straße zu nehmen. sie sollen nicht immer wandern müssen…sollen etwas ausruhen. sollen mal den anderen beim denken zuschauen. sich zurück nehmen, die anderen bewundern, von ihnen lernen, sich mit ihnen freuen, den guten gedanken teilen. ich glaube, die funktion des teilens, oder retweeten, wie es bei twitter heisst, wird zu wenig genutzt. ich bewundere immer beide. denjenigen, der den tweet schrieb und denjenigen der die größe hatte, dem gefundenen gedanken noch einen extraflug zu spendieren.

als ich vor ein paar jahren zu twitter fand, hatte ich gerade einen heftigen sportunfall überstanden. dieser crash veränderte das ganze bisher gelebte leben, alle pläne. würde ich wieder laufen können? um diese frage drehte sich alles…und ja. es ging und es ging auch deswegen, weil mich einige emphatische seelen aus dem twitteroff tatsächlich aufmunterten. eigentlich total fremde, aber anteil nehmend an dem, was man der tl mitteilte. das ist verdammt viel beistand, wenn du aus einer narkose erwachst und nicht weisst, ob das bein noch lust zum laufen hat…oder eben nicht.

den twitternden nachtgedanken in der tl war das nicht klar. aber sie hatten halt auch so ein paar sachen im kopf, mit denen sie nicht allein bleiben wollten. und wollten zumindest gelesen, wenn schon nicht verstanden werden. lesen heisst – akzeptieren. oft reicht schon, dass einer zu verstehen gibt – „hmpf…, kann man so sehen.“

jahre später, nachdem ich schon ein paar hundert tweets und meter ohne krücken vorwärts kam, wollte ich  – bei einem szenetreffen – den aufmunterern danke sagen. irgendwie klappte das nicht. aber, ich habe profunde leute in der „margarete“ (kneipe in berlin) kennen gelernt…und deren dramen gleich mit. das letzte mal saßen wir bis halb fünf …oder halb sechs, morgens. ich hatte ein hotelzimmer im hostel, das ich nicht brauchte. ich erlebte gespräche, echtes Interesse – kein blabla. meine verabredung war irgendwann auch da. wir begrüßten uns und blieben dann jeweils bei den anderen leben und deren geschichten hängen. wir gingen zur selben zeit in der kalten frühe. jeder in sein hotel. vielleicht haben wir ein anderes mal mehr zeit füreinander. twitter wird immer eine kleine reise bleiben. eine traumhafte, vielleicht von station a nach b. keiner soll eine riskante bergbesteigung daraus machen…lieber, einen hopsenden stein auf einem frühlingswasser.