die bewaffung der nachtigall

so heisst ein in diesem jahr herausgekommens tagebuch des ostdeutschen bandleaders klaus renft (Jentzsch)  vom buschfunkverlag. ich habe es mir nach einem konzert der immer noch existierenden band renft in der vergangen woche in jüterbog gekauft. für mich, der mit der musik dieser band pubertierte, war es schon etwas besonderes zu erfahren, wie der chef der band mit dem ich 1973 mal zusammen in berlin spielen durfte, so drauf war. alles in allem ist das buch eine geschichte vom scheitern und dem immer wieder hoffen, von den geteilten himmeln über berlin und vom musikmoloch westberlin mit  cbs (schallplatte) und amigafunktionären, von riasredakteuren, ausreisen und einem  „nieankommen“.

renft wurde noch im osten 1975 als künstlerischer leiter seiner band von allen mitglieder abgewählt. thomas schoppe (monster) bekam den hut auf … um den sich beide bis zum ableben von klaus Jentsch in 2006 persönlich und mit künstlerischen bandkonzepten stritten.

jentzsch hatte die gabe leute zu finden, die eine kraftvolle ungewöhnliche musik in leipzig anfang der siebziger jahre auf die bühnenbretter brachten. vergleichbares gab es zu der zeit nur noch in berlin mit den smarteren und abgeklärteren phudys. die band „renft“ hingegen, umgab sich mit textern wie kurt demmler (wer die rose ehrt) oder pannach (als ich wie ein vogel war) um ihre erste platte 1973 zu veröffentlichen – ein riesenerfolg. aber doch nicht riesig genug, um gegen die kulturbürokratie des ostens zu bestehen. in der band war Jentzsch der einzige musiker mit profistatus. das hatte zur folge, dass immer wieder eine sondererlaubnis für republikweites auftreten erspielt werden musste…und natürlich leicht versagt werden konnte, wenn der (politische) ton nicht stimmte. gerulf pannach und christian kuhnert (bandmitglieder) wollten sich aber auf keine (faulen) kompromisse mehr einlassen. die band war am zerreissen.

renft hatte sich 1976 entschieden, dieser auseinandersetzung durch eine heirat mit seiner griechischen freundin und der damit verbundenen ausreise nach westberlin erst mal aus dem weg zu gehen. die bandmitglieder pannach, kuhnert und schoppe folgten, gläser kurz vor dem wertewechsel.

die progressiven plätze die renft in berlin-west hätte einnehmen können, waren durch ton, steine, scherben oder lokomotive kreuzberg bestens besetzt. ausserdem probte 1977 ein paar häuser weiter ein gewisser david bowie, in den hansa-tonstudios an seiner platte heros.

 

 

 

 

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