wacholder

in zeiten, als beiderseits der elbe alte volkslieder mit e-gitarre gespielt wurden, statt mit mandoline und texte trotzdem stimmten oder gerade wieder, in diesen zeiten nannte sich eine solche gruppe „wacholder“. machandelboom, machandelbaum sagt man im niederdeutschen zum wacholder. und wahrscheinlich hatte die folkgruppe „wacholder“ aus cottbus auch ein lied dazu im repertoire.

im vergangenem jahr erschien ein roman von regina scheer: „machandel“. der roman nimmt bezug auf ein uraltes märchen der gebrüder grimm, „der machandelbaum“. passend dazu haben die protagonisten aus berlin eine datsche, im roman katen genannt, im romantischen flecken, der passend  machandel heisst,  in der mecklenburgischen schweiz. der roman – eventuell ein gegenentwurf zu den „buddenbrooks“ – erzählt geschichten entwurzelter nach dem krieg, um 1945. ausgebombte aus hamburg, flüchtlinge aus königsberg, wohlhynier, georgier, tschechen, moldawier, russen – alle stranden in einem gutshaus in mecklenburg. darunter auch ein kommunist der einen todesmarsch aus einem kz knapp überlebt und später zusammen mit der ddr auf- und untergeht. wer sich für deutsche geschichte interessiert, die nach dem krieg hinter dem ostufer der elbe durch das land zog, erfährt sehr viel, wenn er sich auf das leicht melancholisch, nostalgische geschehen einlässt.

natürlich hat die autorin gemogelt. die meisten als geschichtlich dargestellte bezüge stimmen, sind nicht frei erfunden. auch die der figur des stasi-generalmajors kienberg nicht, der mit perfiden methoden den machterhalt einer alternden funktionärselite sicherte. ich lese was von kadettenschulen der nva. das thema ist mir zuletzt bei thomas brasch begegnet und taucht hier wieder auf. kadetten aus der naumbuger „kadette“ sind für die wendungen im land …und im buch verantwortlich. ausserdem geht es um geigenbögen und dem speziellen holz eines brasilianischen baumes, das für den guten ton unentbehrlich ist. es geht um die verschiedenen kommunistischen parteien in der weimarer zeit, z. b. eine kpo  und um verzockte parteigelder von thälmanns schwager.

manchmal erschien mir der bogen, den das buch spannte zu gross für ein glaubhafte geschichte. aber wir hatten ja nichts, ausser grossen geschichten und deren zuversicht. das buch wurde von 2008 bis 2011 entworfen und 2014 herausgebracht. es hat der autorin, regina scheer, mühe gemacht, sponsoren für ihr buchprojekt zu finden. es zeichnet sie aus, das durchgezogen zu haben. die mühen der verlagsebenen wurden irgendwann überwunden. das buch ist absolut lesenswert – und eine fünfsterneempfehlung, wäre es ein hotel. literarisch ist schon, leichteres zu diesem thema und zu dieser gegend  preisverdächtig erschienen („nach dem fest“). aber, dieser enorme stimmige geschichtliche hintergrund ist nicht zu toppen. so kann nur schreiben, wer es kennt und nicht noch  erfinden muss.

hoffentlich kommt keiner auf die idee, es verfilmen zu wollen, wie bei „der turm“ geschehen. man kann dann immer nur weglassen und das wird der geschichte nicht gerecht werden können.

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