schneeäste

in den hecken, die grenze

zwischen wäschetrockenplatz und drei garagen gelegen. die kleinen nachkriegsblocks, die in den sechziger jahren zur bodau- und kreuzstraße gehörten, waren durch dichte reihen von  forsythienhecken getrennt. im frühjahr leuchte die grenze aufregend gelb. an der grenze, fanden, wie an jeder grenze, kleinere scharmützel mit der bodaubande statt. bodaubande, so nannte wir die kinder von der anderen straßenseite. teilweise gingen wir zusammen in eine klasse, aber die andere straßenseite machte aus uns teilzeitfeinde. keiner von der kreuzstraße war mit einem von der bodaustraße befreundet. das sollte sich erst ändern, als wir pubertierten und die haare nicht aufhören wollten, zu wachsen.

bis dahin wurde aufgerüstet – mit pfeil und bogen und mit steinschleudern. es wurden in die hecken buden gebaut, mit je einem gefängnisabteil. auf unserer hofseite gab es noch einem marterpfahl, vormals ein junger apfelbaum. die fortsythienhecke trennte die gebiete zu zweidrittel gegen ein drittel. ich hatte damals glück. ich war teil der zweidrittelhofgemeinde der kreuzstraße. die kreuzhofbande bestand, wenn alle mal zufällig da waren, aus ca. 12 jungen und vier mädchen, so zwischen neun und elf jahren. die bodaubande war etwas schwächer. hinzukam jedoch tristan, der zweimalige sitzenbleiber, ca. dreizehn jahre alt und der kräftigste von allen.

tristan habe ich ca. drei gefühlte stunden am marterpfahl zu verdanken. eines sommertags als wir in der minderzahl waren, es war ferienzeit, überfiel uns die bodaubande mit voller kriegsausrüstung und mannschaftsstärke. als zeichen des sieges hatte ich das zweifelhafte vergnügen mit einer wäscheleine von tristan an den marterpfahl gefesselt zu werden. an die einschnürende wirkung der fesselung kann ich mich noch heute erinnern. ich kam erst frei, als die „kämpfer“ der bodaubande so gegen sechs uhr  von ihren eltern zum abendessen gerufen wurden. so lange dauerte die hofbesetzung an und solange war nichts zu machen. sämtliche befreiungsangriffe der kreuzbande wurden abgewehrt.

im herbst entstand auf der hofseite der kreuzbande ein professioneller volleyballplatz. wenn netz und spielende erwachsene weg waren, spannten wir eine wäscheleine zwischen die netzstangen. nicht immer bekamen wir genug spieler der kreuzstraße zusammen und so „gestatteten“ wir hoheitsvoll den zuschauenden „gegnern“ der bodaustraße das mitspielen.

im winter wurde auf dem volleyplatz wasser gespritzt und wir hatten eine spritzeisbahn. ich weiß nicht warum und wieso, aber irgendwie hatten fast alle leute der bodaubande schlittschuhe. zwar recht altertümliche modelle, aber immerhin – sie hatte schlittschuhe. und sie hatten sogar hockeyschläger und spielten damit eishockey. nun standen wir an der seite und schauten interessiert zu. aber ohne schlittschuhe brauchten wir noch nicht mal fragen, ob….

nach ein paar tagen hatten wir ebenso abenteuerliche gurken an den füßen und schläger in den händen wie die mitglieder der bodaubande. wir spielten sieben gegen sieben. ich musste mangels schlittschuhe ins tor, mit skischuhen. die ersten spiele verloren wir haushoch, solange bis es keine spass mehr machte. eines wintertages entschlossen wir uns daher gemischte mannschaften zu bilden.

das eis war gebrochen.

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