Archiv für den Monat November 2014

anfängergeschichten

gehen zurück an die anfänge. an die anfänge von vorgängen, die später eine geschichte wurden. wir haben das, was wir für bemerkenswert hielten, nicht als druckreife geschichte  erlebt; eher als puzzle, dessen ergebnis aus einer anderen draufsicht an einem anderen ort in einer anderen zeit entstand. eingebettet in tagesabläufe, notdürftig mit wärme und stullen versorgt, hattest du bei der abgabesteile für kleine leuten deinen job zu machen. da war der mittagsschlaf – eine lästige unterbrechung des spiels. kinder spielen ihre erlebnisse nach und unterscheiden nicht, ob film, buch, wahre oder erfundenen geschichten wie märchen. für sie ist alles real, alles möglich.

erwachsene schauen auf ihre narben und erinnern sich.

 

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ein konzert mit bruce

sollte es geben, bruce springsteen 1988 in ostberlin, nicht für wenig auserwählte – sondern, für viele. für soviele wie in ein stadion in weißensee passen. karten wurden nach seltsamen schlüsseln durch fdj-leitungen verteilt. ich hatte auch zwei, brauchte aber keine, wie sich später herausstellte.

stunden vor konzertbeginn an diesem sommertag 1988 standen wir vor einer art tor mit stabilen gitterzaun, um möglichst nahe an die bühne zu kommen, wenn das tor denn aufgeht.
das tor ging nicht auf. die fans wurden unruhig. hinter uns baute sich eine lebende wogende wand mit einigen tausend leuten auf. vorn am tor war der druck kaum auszuhalten, meine herzdame war einer ohnmacht nahe. ich versuchte ein zweimal sowas wie einen schützenden käfig zu bilden, bis ich wie ein streichholz zusammenknickte und mit meiner lady am zaun hing, wie ein blatt vom wind. rufe wurden stärker. macht das tor auf. jetzt hatten wir fast todesangst …und in diesem moment ging das tor auf. wir schwappten wie eine taifunmonsterwelle in das schon gut gefüllte stadion;  suchten uns etwas erschöpft einen platz an der dritten laterne links, vl. schon einen halben kilometer weg von der bühne.. von da aus konnte man die kleinen punkte, die die springsteen-band bildeten, noch gut ausmachen. in der nähe war zum glück eine rrößere leinwand positioniert, auf der alles nochmal 2:1 zu verfolgen war. nur der ton der hauptbühne echote eine halbe sekunde hinter dem bild her.

das konzert selbst, eine legende:

https://www.youtube.com/watch?v=sfk0uMLhXqY&feature=youtu.be

diese tanzszene, eine zäsur.

und dann alle… 100.000?… im chor: born in the usa, der anfang vom langen ende eines kleinen landes, im sommer 1988 in ostberlin.

 

 

no milk today

diesen song der herman’s hermits erinnert an milchbar hier, sogar mokkamilcheisbar dort, ein möbelmusikstück. die fersehtruhe mit radio und plattenspieler …nach möbelbeize riechend. sonnabends, 16.00 ihr nach dem familienbaden, live beatclub aus dem möbelmusikstück. ich trällerte kräftig mit. die staubsaugerdüse war mikrophonersatz und luftgitarren standen reihenweise zur verfügung. das moderatorenduo uschi & sexauer (was für ein namen) war gut drauf und die studiogäste tanzten artig. manche trugen auf rebellische art lederschlipse im studio bremen.

abends noch treffen mit halbwüchsigen freunden und der band, die das grosse klubhaus bespielte, beim aufbauen helfen. als belohnung dem soundcheck lauschen, weil um acht, nach der aktuellen kamera und pünktlich zu, einer wird gewinnen …muss die familie wieder zusammen sein.

so begann meine lesezeit …mit einem glas milch am bett.

friedbert, also

…hatte sich zu erkennen gegeben. friedbert hatte sich nicht verstellt. wir haben nur nie versucht, hinter seinen plan zu kommen. friedbert wusste sich so zu bewegen, dass er angenehm auffiel…aus der zweiten reihe heraus. er provozierte nicht, wurde nur bissig, wenn das studienziel in gefahr war. aber da gab es nur probleme mit der russischer aussprache, das war behebbar. friedbert ist in der halbkugelstadt gross geworden und kannte sogar die verbotene stadt hinter der grossen mauer; nein…nicht in berlin, in china. und da wollte er auch wieder hin, wenn das studium planmässig zu ende ginge. ging es. ging seinen sozialistischen gang, sogar bis nach kuba; zwei monate, vier monate, sechs monate. flugkosten sparen war nicht nur bei weltraumflügen angesagt. seine frau in der halbkugelstadt fand das nicht so lustig und packte friedberts restliche sachen in zwei koffer, die beim empfang, der sofort ein abschied wurde, bereit standen. friedbert war sehr schnell nicht mehr verheiratet, also ohne pfand im land. das waren zwei probleme auf einmal.

er war allein und musste länger im ländchen der tausend fehlenden dinge bleiben. in anderen ländern fehlte zwar auch was, aber die sonne schien wärmer …und die menschen waren es auch, irgendwie. friedbert suchte schnellstmöglich eine frau zum heiraten und daran mangelte es im land der tausend fehlenden dinge ausnahmsweise nicht. nicht, wenn man so aussah wie friedbert. f. wurde, so schnell wie geschieden, auch wieder getraut. f. war zweimal glücklich. er konnte wieder ausreisen…und wenn er einreiste, wartete eine auf ihn, die ihm die koffer auspackte …und nicht vor die tür stellte. so hätte es bleiben können. aber was bleibt schon so…und auch bei friedbert änderte sich wieder alles; aber das ist schon ein andere geschichte.

verdrängen

findet ständig statt, nur ohne grosse überschriften. überschriften, werden für erinnerungskultur gebraucht. erinnern heisst, das nicht verdrängte abzurufen …und das verblassende gelb mit goldtönen zu übermalen. wahrscheinlich ist das verdrängen genauso wichtig, wie das erinnern – weniger für die geschichtsschreibung, eher für die psyche. verdrängen, das ist der vorgang der in nachbarschaft zur angst wohnt. angstgefühle sind was archaisches und kommen wohl zusammen mit dem kleinen hunger…der gerne auch heißhunger wird …und nur mit der schokoladenseite des lebens zu verdrängen ist.

abhauen

aus engsten verhältnissen, die durch eine mauer zusätzlich betont wurden, schien die natürlichste aller reaktionen zu sein. nur, war diese aktion dermassen strafbewehrt, dass es schon eines grossen egals bedurfte, mit einem stigma der kriminalisierung, im fall des scheiterns, im kleinerem deutschen land weiter leben zu wollen.

es war alles auf den kopf gestellt. nicht das einsperren war strafbar – das rauswollen war es. nun gab es gründe, warum und wieso es zu diesem zustand gekommen ist. das wäre mal über den zeitraum einer quarantänesituation vertretbar gewesen. aber wer will schon ein ganzes leben in quarantäne verbringen. die lehrer in den schulen hatten zunehmend mehr mühe, das ihren immer selbstbewusster fragenden schülern zu erklären. ein kleiner teil hatte auch keine bock mehr auf diese erklärungen und tat es den wegbleibenden schülern nach. und auch volkspolizeiausreisestempelangestellte verspürten zunehmend lust, zu erfahren, was es mit dem nachbardeutschland auf sich hatte und stempelten sich schon mal selbst eine genehmigung zur einmaligen ausreise in den personalausweis. blöd war, wenn sie dennoch als illegal erwischt und mit den renitenten montagsdemonstranten in einer zelle des untersuchungsgefängnisses gesperrt wurden.

alle, die es vor dem mauerfall in den westen schafften, wurden nach giessen weiter geleitet, um dort erfasst und eingebürgert zu werden. das dauerte keine drei tage. dann begann die grosse freiheit: wohin? – wenn man doch nur mal in den westen wollte, gucken ….aber das zurück nicht mehr drin wahr. und an dieser stelle, wird es zeit,

sich bei den vielen landsleuten zu bedanken, die einen unmerklich an die hand nahmen und sagten, hier geht’s lang.

meuerdurchbruch

klassentreffen

sind dazu da, seine klasse zu überprüfen. dabei sind graue haare schon länger kein thema mehr. auch nicht die übertönten. beim treffen selbst, die freude über die physische anwesenheit…haben ja nicht alle hierher geschafft. und einige verblassen schon in der erinnerung. aber weiter zu uns.

die sich hier treffen, haben es irgendwie durch die zeitenwende geschafft. die frage nach arbeit stellt sich nicht mehr. jeder klebt förmlich an den job der ihn vor zwanzig jahren zugewiesen wurde, nur keine veränderung…das ist kinderkram. dabei fällt auf, dass kaum über kinder geredet wird. das eine ist schon länger aus dem haus. enkel nicht in sicht. bis auf den einen, der gleich zwei hat und vom glück des versteckspiels redet. der vermasselt das stille altersglücksempfinden etwas.

ansonsten, hat sich die klassenschöne wieder schön gemacht; diesmal mit einem farbigen rückentattoo halsabwärts bis….ich weiss es nicht. über die neuen autos wird nicht mehr gesprochen, sie werden aber registriert. der reiserenner des jahres wahr wohl südafrika, asien und thailand scheint durch zu sein. politk ist auch kein thema mehr, ist glaube ich, ähnlich peinlich wie sexuelle aufklärung. von kunst ganz zu schweigen. also dann …bis zum nächsten jahr.