Archiv für den Monat September 2014

kuskuskochen (couscous)

war für das wochenende in den siebzigern angesagt. die köche kamen aus algerien, dem irak, aus jordanien, aus syrien und einige von ihnen waren dennoch staatenlos – palästinenser. im wohnheim der uni war nach den letzten vorlesungen des samstags ruhe eingekehrt. übers wochenende zogen die meisten bewohner aus. waren zu ihren freundinnen, eltern oder großeltern in die elbidylle geflüchtet.

die kuskusköche konnten also ungestört die gemeinschaftsküche in beschlag nehmen und kochen zelebrieren. als ich später das hauptwerk kostete, fragte ich mich, was daran stundenlang zu kochen war. ich hatte keine antenne für den gemeinschaftlichen spass des kochens heimatlicher gerichte in der fremde.  nach und während des essens gab es tee, viel rauchzeug und irgendwann viel heimweh. an dieser stelle zog ich mich in mein zimmer zurück…und hörte erstmals die für den abend mitgebrachte platten der kochmusik von pink floyd… um ebenfalls in einem kleinen rausch zu verfallen.

der inoffiziell mitarbeitende  hausmeister suchte am nächsten tag in unserer etage die grosse standuhr und eine registrierkasse und machte vorsorglich meldung bei den vorsorglichen behörden.

vier jahre erlebte ich das gemeinschaftskochen in meiner etage. die meisten der kuskusköche blieben länger als diese vier Jahre, oder waren schon länger da – einige bastelten an doktorarbeiten über turbinen, hatten deutsche frauen und später gemeinsame kinder dazu. genug zeit um sich anzufreunden.

diese studenten wussten auch sonst gut über das kleine dt. gastgeberland bescheid. einer hatte immer einen halbwegs aktuellen „spiegel“ dabei … aus dem man erstmalig über biermann und kleine extrawürste der ostschikeria nachlesen konnte. schwierig war es, wenn der endgültige abschied nahte. viele der paare trennte sich ohne grosses aufsehen. für die, die zusammenbleiben wollen, gab es aber nicht die alternative im land zu bleiben. alle arabischen studenten mussten wieder in ihre heimat- oder gastländer zurück, auch die staatenlosen.

letztendlich…und wenn gar nichts mehr an staatlicher einflussnahme half, durften dann – meist nach einer (ersten) eheschliessung die ostdeutschen frauen mitreisen, ausreisen.

einige von ihnen sind nicht weiter als eine s-bahn-station nach westberlin gefahren.

andere, die meisten, blieben bei ihren männern. ihre spuren verloren sich nach und nach im wüstensand der siebziger jahre des letzten jahrhunderts.

 

 

 

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