Archiv für den Monat Mai 2014

fahrradmarke brandenburg

…war wahrscheinlich eine eigenmarke des fahrradhaendlers in dieser suedharzstadt beim lager dora. mit 10 oder 11 jahren hatte ich dieses weltentdeckungsmittel geschenkt bekommen und zeigte zum ersten mal so was wie dankbarkeit. schlagartig erweiterte sich der aktionsradius ueber das verwilderte lager dora hinaus. zu dritt, mal zu viert waren wir mit den raedern unterwegs und immer wieder entdeckten wir neue belueftungsschaechte für die gewaltigen karststollen dieser unterirdischen rüstungsfabrik. dann – auf einmal ein neuer stacheldrahtzaun hinter dem verrosteten lagerzaun; uups was war denn das! hundegebell…metallisches klicken, haltrufe! scheisse…wir waren an der zonengrenze…ohne es bemerkt zu haben. die raeder waren noch in sichtweite, das hundegebell kam naeher. ohne was zu sagen, rannten wir die 20 meter bis zum rad, schwangen uns auf und sausten den kleinen berghang wieder hinab. das hundegebell wurde schwaecher, gerettet. die berge der stadt die bis zu unserer straße führten, strampelten wir mit einer mopedartigen geschwindigkeit hinauf. am zerfallenen stadtmauerturm, unserem treffpunkt, dann endlich pause. was war passiert? wir haben unbewusst den grenzzipfel zwichen ost- und westdeutschland erwischt, der bis kurz vor die stadt geht. wir versprachen uns gegenseitig zu schweigen und alte stahlhelme und so’n zeugs künftig weiter östlich zu suchen.

p.s. ich kann mich nicht erinnern, dass es ausdrücklich verboten war, das lagergelände dora zu betreten; aber – man ging da einfach nicht hin; jedenfalls keiner von den alten.

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pete

…will in hamburg peter genannt werden; ansonsten bleibt er aber mehr pete, pete doherty. hat den absprung mit 27 verpasst und geht jetzt den langen elenden weg… womöglich bis zum bitteren ende…wo alle die stehen, die schon immer gewarnt haben, es schon immer vorausgeweissagt haben, es schon immer besser wussten. aber wer link , hier liest ( gott mache, dass er ziemlich lange erhalten bleibt) weiss auch um die neue platte die p.t. aufnimmt, mit all dem, was ihn ihm steckt.

quelle: http://www.spiegel.de/kultur/kulturspiegel/pete-doherty-libertines-fuck-forever-live-konzert-in-hamburg-a-972245.html

am anfang

…waren es nur acht kilometer bis zum stacheldraht; da musste man durch um hering aus hamburg vom schwarzen markt in die sbz* zu schmuggeln. aber sie haben die mutter trotzdem erwischt, die russen die da hin und wieder am zaunende des gewonnenen krieges standen. der kalte begann noch nicht; aber es änderte sich was. zunächst nur soviel, dass die ältere frau ihren fisch los wurde …und die kasernenstuben schrubben musste. stunden später durfte sie nach hause. sie hatte viel zu erzählen, aber nichts zu essen mitgebracht.

*sbz – sowjetisch besetzte zone

 

eigentlich

…hätte ich jetzt auto fahren müssen; stundenlang in den süden, um dir zu gratulieren. es wird keiner kommen; noch nicht mal ich. du wolltest es so. da es dein tag ist, werde ich’s respektieren. genau steht die zahl der verbleibenden tage nicht fest. die operation mit dem defibrilator wolltest du nicht; die tabletten nimmst du nach tagesform und innerem wasserstand.

die alten fotos haben wir schon zigmal gemeinsam angeschaut. manchmal bringst du die namen durcheinander. ich streite mich nicht mehr deswegen. heute schaust du sie dir allein an. du wolltest es so; du hast dafür gebetet.

 

 

 

 

 

seltsamste liebesgeschichte der welt

melancholie – pur: 

„Die seltsamste Liebesgeschichte der Welt
Von Peter Hirche
Regie: Gustav Burmester
Komposition: Siegfried Franz
Mit: Hannelore Schroth, Wolfgang Wahl und Hermann Lenschau
Produktion: NWDR 1953
Länge: 41’50

Ein Mann und eine Frau sprechen miteinander. Er ist ihr Traum von der großen Liebe. Sie haben sich nie gesehen und werden sich wohl nie begegnen. Trotzdem erzählt er ihr von seiner Schildkröte, und sie erzählt von Harry, mit dem sie gerade im Restaurant sitzt, und von anderen unvollkommenen Verehrern. Am nächsten Morgen geht er zu Fuß zur Arbeit. Fährt sie da im Wagen vorbei? Es tut ihr leid, dass er arm ist und im Krieg verwundet wurde. Dass sie reich ist, gehört zu ihr, findet er. Sie ist sein Traum.

Peter Hirche, geboren 1923 in Görlitz/Schlesien, war Soldat, Kabarettist, Bauhilfsarbeiter und Nachtwächter. Ab 1949 schrieb er Features, Theaterstücke, Drehbücher und vor allem Hörspiele. 1955 Prix Italia für ‚Heimkehr‘ (NDR), 1966 Hörspielpreis der Kriegsblinden für ‚Miserere‘ (WDR 1965) und Gerhart-Hauptmann-Preis.“ Zitat / Hörspielverzeichnis / dlf

zettelkiste

…richtiger wäre, heiligtum; das heiligtum pessoas – seine zettelkiste.  an einem heissen donnerstagnachmittag im mai 14, stand ich vor ihr: pessoas schatztruhe, eine grosse holzkiste mit klappe, gefüllt mit papieren in allen formaten, allen zuständen, allen inhalten. hier wurde also das buch der unruhe herauskristallisiert…und die werke der heteronyme.

diese kiste steht tatsächlich in dem kleinem zimmer, dass pessoa so oft beschrieb; schrank, bett, kommode, tisch’chen… feierabend. hier liess er also einen ganzen portugiesischen schriftstellerverband entstehen ,mit den herren, ricardo reis, alberto careiro, alvaro de campos und 69 weiteren, nicht minderbegabten schreibern. in diesem kleinem zimmer stritt sich die literarische welt…und wenn’s zu laut wurde, ab in die kiste – klappe zu.

schatzkiste

zettelkiste

bett & kiste

bett & kiste

rato

rato, 15. mai, ein kleines cafe am park…in der naehe vom wassermuseum. im museum gibt es wasser und sonst nichts, nichts als plätscherndes fliessendes wasser, eine gitarre zirpt verträumt im hintergrund. konzerte finden hier wohl auch statt; mitten im wasserspeicher ist eine buehne, fuer kleine formen, ein streichquartett vieleicht. keine besucher weiter. es ist mittag, in einer halben stunde geht eh nichts mehr; siesta. die schattenplaetze im parkcafe sind besetzt…das sanfte plätschern einer sprache, die ich nicht verstehe beginnt; ich beginne das hier zu schreiben…

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