haxen abkratzen

der opa der am meisten zeit mit mir verbrachte, verstarb früh. ich war vielleicht fünf. wir sprachen nicht viel miteinander. opa bewirtschaftete das nachbargrundstück an einem berghang mit etlichen dutzend obstbäumen.
wir wohnten am bergstück nebenan. im zaun war ein loch. wenn opa da war, kletterte ich durch und begrüßte ihn. er nickte mir zu und schlurfte zu seinen bäumen. er lebte auf diesem gartengrundstück, als einsiedler, das ganze jahr. die stadtwohnung war nach der mietraumbewirtschaftung tabu für ihn.
er lebte in einem aus lehm verfertigenten gartenhaus aus der jahrhundertwende; in einem raum mit ofen. am eingang hing ein schild: haxen abkratzen.
in die wand war ein art schmales spatenstück zum schuhsäubern eingelassen.

jetzt um diese zeit, wenn der schnee das erste mal taute, hing besonders viel schmutz an den pantinen. unterm lehmmatsch, war noch gefrorener boden. beim haxenabkratzen rutschte opa weg und fiel mit dem knie auf das kratzeisen, sehr schmerzlich. ich war irgendwo mit dem jagdhund unterwegs.
die eltern waren arbeiten. schon lange hörte ich ein art wimmern, ohne auf opa zu kommen. der hund führte mich hin.

als man opa abtransportierte war es schon fast dunkel. das letzte was er zu mir sagte, war: das war’s. – so war’s.

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