Archiv für den Monat Februar 2013

an der maschine stehen

an der maschine ist immer ein platz frei. an diesen plaetzen traeumt es sich gut. ausgeschlafen solltest du sein. schnell sind ein paar finger verschwunden. nicht immer wird deswegen das band angehalten. daher empfiehlt sich, in der fruehschicht ein tasse extrastarken kaffee. an der maschine stehen, ist besser als auf’m amt hocken. maschine kann auch aldikasse sein – oder sushi fahren. geht alles, wenn grad nichts mehr geht.

wenn dein traum stark genug war, bist du schnell wieder weg und sagst zur maschine: war gut, dich kennengelernt zu haben – by.

pannach & kuntert

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gespräche und orte

rumhängen, obwohl…die party lief, der rauch biss, dass bier floss. ja – hier ist noch frei. und dann – fast ohne vorwarnungen geschichten – die so unerhört sind. das sind (virtuelle) rucksäcke, die kurz zum teilen abgestellt werden. jetzt habe ich sie also  auf’m buckel. aber das macht nichts, besser: ich wollte es so. gute gespräche verhackstücken keine pillapalle. in einem solchen  gespräch kommt die frage, die du dir selbst nie stelltest, z.b. die nach einem guten ort, der ort – wo du dich am besten fühltest. und du musst nich lange überlegen. beim antworten bist du da – und schon geht es dir gut.                        kneipe

innere kinder

immer war es mit dabei, bei jedem fussballspiel bei jedem konzert. es hat gejubelt oder geflennt, ganz nach gusto. es wusste, wie es sich anstellen musste, um den nachschlag der makaroni mit tomatensoße zu bekommen und wie man reife stachelbeeren durch den drahtzaun zieht. es sass im gestrüpp und qualmte. aber nicht weil zigaretten schmeckten, sondern – weil es gerade der häuptling mit der friedenspfeife war. dann sagte man ihm, dass es in den erlauchten kreis der erwachsenen aufgenommen war. es durfte ein bier, einen eierlikör und einen korn trinken. das anstossen mit onkel jürgen hat es nicht mehr geschafft, weil die beine wegknickten. jahre später drückte man dem kind ein gewehr in die hand und setzte ihm einen stahlhelm auf. es sollte die anderen kinder verteidigen. sicherheitshalber nahm das kind aber die patronen aus dem lauf. noch ein paar jahre drauf hatte das kind selbst ein kind. es konnte sich noch gut an die lieder und spässe aus seiner zeit erinnern und sie lachten gemeinsam darüber. dann wurde beschlossen, dass das neue kind alleinerziehend erzogen wird (das andere war ja schon erzogen.). da war das innere kind sehr traurig und fühlte sich allein. aber das gab sich, weil bald andere kinder kamen und mit ihm patchten und workten. nur – immer spielen ging nicht. alle kinder hatten hunger, am meisten das innere. man nennt es wohl lebenshunger.
das innere kind zog in alle himmelsrichtungen und fand heraus, dass es überall leckere sachen gab. es hatte schnell gelernt, was jeweils das besondere ist. dabei bemerkte es gar nicht, wie still es um sich mit der zeit wurde.

das besondere war sehr teuer. zum glück lernte es wieder ein anderes inneres kind kennen, das auch einen besonderen geschmack hatte, aber einen anderen. als die kinder das heraus fanden, stritten sie sich, wessen geschmack der richtige sei…und wenn ein inneres kind nicht gestorben ist, streiten sie sich noch heute.

drehmoment der tage

tage wie dieser haben drehmomente. sie werden mit dem drehmomentenschlüssel bedient. das sind meterlange ungetüme die auf motoren aufgesetzt werden und hörbar knacken, wenn die schraube festsitzt.
es gibt diese anrufe: die müssen kommen, nach dem du tausend mal angerufen hast. und plötzlich hörst du es, dieses knacken. der tag ist gelaufen. er duckt sich nicht weg, sondern grinst dich frech an. er bietet dir sogar ein du an; aber soweit werden wir es nicht kommen lassen – heute noch nicht.

karneval

karneval war die gelegenheit alle hoffnungen auf alles zu verkleiden, besonders in schweren ostzeiten. die stadt in der börde feiert ihren carneval seit 1954. zufällig trug der namensgeber der hochschule den vornamen eines friesischen komikers. der hatte seine höhepunkte mit musischen sketchen in den 1970-igern. das original war aus teilunsgründen seiner zeit nicht zu haben, dafür eine bestkopie – die wir studenten bei jedem carnevalsauftritt frenetisch feierten.
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dazu musste man aber erstmal an karten kommen. goldstaub zu besorgen, schien einfacher. es war bekannt, dass man eine chance hat, wenn man irgendwie bei den organisatoren mitmacht – und sei es als türsteher. wacheschieben hatte ich wehrpflichtgesetzmässig gelernt. so war meine erste bekanntschaft mit diesem carneval eine dienstliche. es waren ein paar notausgänge
feuerpolizeilich zu bewachen. sie wurden mit fetten kältehemmenden filzvorhängen geschützt. diese vorhänge waren im laufe der verkündeten kussfreiheit ein bevorzugter rückzugsraum für sich gerade findende pärchen. aus mitleid mit meinem harten job am notausgang gab es hin und wieder ein ehrenküsschen. zum ende am morgen hatte ich von der veranstaltung nicht viel mitbekommen, bis auf das küsssen in geschützten lagen.

haxen abkratzen

der opa der am meisten zeit mit mir verbrachte, verstarb früh. ich war vielleicht fünf. wir sprachen nicht viel miteinander. opa bewirtschaftete das nachbargrundstück an einem berghang mit etlichen dutzend obstbäumen.
wir wohnten am bergstück nebenan. im zaun war ein loch. wenn opa da war, kletterte ich durch und begrüßte ihn. er nickte mir zu und schlurfte zu seinen bäumen. er lebte auf diesem gartengrundstück, als einsiedler, das ganze jahr. die stadtwohnung war nach der mietraumbewirtschaftung tabu für ihn.
er lebte in einem aus lehm verfertigenten gartenhaus aus der jahrhundertwende; in einem raum mit ofen. am eingang hing ein schild: haxen abkratzen.
in die wand war ein art schmales spatenstück zum schuhsäubern eingelassen.

jetzt um diese zeit, wenn der schnee das erste mal taute, hing besonders viel schmutz an den pantinen. unterm lehmmatsch, war noch gefrorener boden. beim haxenabkratzen rutschte opa weg und fiel mit dem knie auf das kratzeisen, sehr schmerzlich. ich war irgendwo mit dem jagdhund unterwegs.
die eltern waren arbeiten. schon lange hörte ich ein art wimmern, ohne auf opa zu kommen. der hund führte mich hin.

als man opa abtransportierte war es schon fast dunkel. das letzte was er zu mir sagte, war: das war’s. – so war’s.