chilenisches metall

chilenisches metall, ein lied der klaus-renft-combo, 1973 traf den nerv der zeit, zumindest damals in ostberlin. udo l. hatte noch mit sich zu tun, jedenfalls noch nichts mit dem mädchen aus ostberlin.
jim morisson war gerade in paris gestorben, da trauerten wir noch (insgeheim) um das gitarrenidol jimmy und bluesikone janis joplin.
und da bin ich auch beim thema, musik:

http://www.songsterr.com/a/wa/TextTabsAction/chords?id=210163

in ostberlin fanden 1973 die 11. weltjugendfestspiele, organisiert vom verband der weltjugend, statt. von diesem verband habe ich später nie wieder was gehört, vielleicht habe ich mich aber auch nicht mehr dafür interessiert. ulbricht war in diesem sommer gestorben und honecker beerbte ihn. er tat ziemlich viel dafür, berlin als weltoffene stadt zu präsentieren…mal wieder, nach 1936,1951,1953 und dem mauebaudebakel 1961.

egal wie, etwa ein jahr vor diesem weltfestspielen war der kulturfahrplan klar. es sollten möglichst lockere und gastfreundliche stimmung verbreitet werden. dafür waren armeechöre nur bedingt geeignet, eher schon die überall im lande an den schulen entstandenen, sogenannten singegruppen. die besten aus rostock, leipzig, dresden, erfurt, bekamen die tickets nach berlin. wir, aus der erfurter gegend, fuhren im august in manschaftstransportwagen einer armee nach berlin. mit dem auto dauert das heute drei stunden. wir fuhren eine ganze nacht.

und damit begann unser woodstock. woodstock war vielleicht 5 jahre vorbei; etwas von diesem geist schwirrte dennoch durch den waggon. ein einfacher gütertransportwagen mit einem zweiten, auf brusthöhe eingezogen schlafboden und mit matratzen ausgelegt. in der hohen zeit der vorbereitung für dieses festival wurde der singegruppe bzw. dem minichor noch eine, mir äusserst sympathische ausgebildete (junge) musiklehrerin zugeteilt. sie hatte zufällig den matratzenplatz links neben mir. rechts neben mir schlief ebenfalls eine supersängerin, typ tamara danz, mit der ich mich vor kurzem angefreudet hatte… alkohohl spielte keine rolle, es war alles prikelnd genug. von den drei gitarrehaltenden männern der gruppe war einer ich.

dieser august war verdammt warm, am abend als wir die waggons bestiegen, war das innere wohltemperiert. ich weiss nicht, wer auf die idee mit den matratzen kam und ob es in allen waggons so war. die paar eltern, die ihre töchter und söhne zum bahnsteig brachten, waren etwas verwundert.

ich konnte jedenfalls nicht auf dem bauch schlafen, weil jeder gutenachtkuss nacht links und rechts doch enorm lange dauerte.
an schlaf war auch weiterhin nicht zu denken. in dieser nacht im waggon war so was wie rosenmontag. in den frühen morgenstunden trudelten wir in berlin ein. es dauerte noch einen ganzen tag, bis wir auf die sogenannten gastfamilien verteil waren. es gab verpflegungsbeutel, essensmarken und den plan, an welcher strassenecke im zentrum wir uns zum singen einzufinden hätten. das waren vier, eventuell fünf auftritte, der rest war frei, einfach so. zum ersten mal wehte mich ein hauch von freiheit an.

diese augusttage waren sehr heiss. vielleicht war der rasen am fernsehturm deshalb gelb. jedenfalls war dieser restrasen warm, man konnte dort tag und nacht schlafen; adressen wurden mit lippenstift geschrieben. ich glaub das waren fast tausend leute, die so eng zusammen waren. da wir uns mit den (erkennbaren) ausländern nicht einlassen sollten/durften, liessen wir uns mit uns selber ein. zu meinen gasteltern habe ich es nie wieder geschafft.

unser programm bestand aus ca. 20 songs. fünf bis acht gaben wir pro auftritt zum besten, immer dabei: chilensiches Metall (demmler/kuhnert).
die klaus-renft-combo, die dieses lied rausbrachte, wurde später verboten;
im august 1973 war der song noch wohlgelitten.

40 jahre später hat sich am kern des textes nichts geändert; aber das ist eine andere geschichte.

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