Archiv für den Monat Januar 2013

station teterow

…wurde gesagt. ich fragte noch mal nach wohin? teterow! aha. möglicherwiese habe ich den einberufungsbefehl an diesem ersten novemberabend nicht genau gelesen, nur die rückseite, die folgenbelehrung, besser die nichtfolgebelehrung. aber ich folgte ja – noch. es war mein erster befehl und mit befehlsverweigerung konnte ich demzufolge nicht so gut umgehen.
teterow – der zug im harzvorland füllte sich mit einberufenen nach teterow. ich weiss nicht mehr, ob es noch einen letzten kuss am bahnsteig gab. wichtig waren die abende davor; das lange abschiednehmen. im wagon kreiste ein flasche nordhäuser doppelkorn, schon heimlich, weil es wohl einen befehl gab, der
aber nicht bindend war, was die warmgetrunkenen einberufenen schon zu wissen schienen. ausserdem war ihnen ihr zustand egal, trotz nüchternheitsbefehl.
es war gut, nicht ganz trocken (nüchtern) in teterow anzukommen. denn dann wurde es
schlagartig anders. russische ural-lkw’s warteten auf uns nochzivilisten. und der
ton bei der verladung der frischen war ein ruppiger. klappe zu, affe tot, abfahrt. wohin ? altwarp! was’n das für’n kaff. is’n kaff im haff, sagte der fahrer, hahaha. aha.
die ankunft erfolgte nach zwei, drei stunden fahrt. die besoffenen waren zwischenzeitlich wieder nüchtern. es muss dunkler früher morgen gewesen sein, als wir ankamen. wach brauchte man nicht zu sein. es lief eine automatismus ab, der sich einkleiden nannte – und mensch abgeben, fügte ich für mich hinzu.

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spannklaue

das ist ein ding, um werkstücke auf maschinen zu spannen. in meinem ersten lehrjahr waren zeichnung & fertigung dieses handgrossen stück’s
das evangelium.

wortwahl evangelium daneben? – mitnichten euer ehren. in der metallbearbeitung gibt es auf technischen zeichnungen symbole, in form von auf den kopf stehenden dreiecken, für den bearbeitungsschritt „schlichten“; von grob bis fein. spiegeloberflächen sind darüber hinaus ebenfalls machbar, mit kreide und spucke, fast wie in der geschichte mit dem wolf und den sieben geißlein.

meine stück war schlicht, genau nach auftragsvorgabe – dafür bekam ich ein „befriedigend“,
…alle anderen glänzten mehr, sie spiegelten sich in ihrem besten stück.

monatsringe

jahresringe vom baum sind erforscht, belegt, dokumentiert. ein neues weites feld(fontane) würde sich auftun, würde man monatsringe des menschen erforschen. monatsringe, landläufig „schwimmringe“ genannt,
stören die am meisten, bei denen sie nicht zu sehen sind. wenn sie nicht
jobben müssen, verwenden sie den rest des tages darauf, schwimmringe zu
bekämpfen. nur – schwimmringe sind einfallsreich. dürfen sie sich nicht außen zeigen, zeigen sie sich eben innen. herz, leber, lunge, kopf – jedes organ bekommt sein fett weg.
das ganze lässt sich mittlerweile im monatsringtomographen (ct) beobachten, falls man bereit ist, die blaue beobachtungstinte zu schlucken. monatsringe bleiben.
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rote brause

es waren vielleicht drei, vier kilometer; genauso alt war ich auch an jahren. drei, vier kilometer laufen zum brauseladen des schwippschwagers, verwandte deren einordnung im stammbaum ich nicht genau kannte. aber sie hatten diese rote brause – und über mich dachten sie vermutlich das gleiche: da kommt wieder dieser bengel, von der schwester, deren tante…
nun, mir ging es um ein glas rote brause, das wohlschmeckenste getränk meines welthorizonts. aber gläserweise, wurde erst später eingeführt – als der laden brummte. wahrscheinlich hatte ich sie auf die geschäftsidee gebracht. das umständlich eingegossene glas kostete zehn pfennig, wenn der schwippschwager zu meiner identifizierung nicht im laden war. hatte ich diesen groschen nicht, wurde angeschrieben – für einen vierjährigen.
so kam es, dass ich mich für pfandflaschen interessierte. die kästen mit den pfandflaschen standen im flur zum laden, manchmal stand eine leere auf der treppe. eine leere flasche ergab den gegenwert eines vollen glases. mehr brauchte ein glück zu der zeit nicht. der rückweg erfolgte in brausegedopter roter stimmung.
der geschmack hielt wochenlang vor. als ich ihn nicht mehr erinnern konnte, machte ich mich auf den weg
zum brauseladen.

(insp. by @einsilbig/twitter)

***** fünf Sterne

es gibt sie zu hauf hier, die traurig schönen geschichten. die geschichten die so nur das leben schreibt. von denen ich weiss, dass sie so ähnlich passiert sind, passiert sein müssen.
es muss doch nicht mit name und adresse stimmen, aber vom sinn den der text macht. und emphatie ist immer ein guter adressat. genau das unterscheidet mich von meinem armen kastrierten schwarzen kater, dessen einzige triebfeder der hunger ist.

und weil nichts für die katz ist – und schon gar nicht für schrödingers – wird es dabei bleiben, dass das was berühren soll, gefunden werden muss. die zeit ist reif dafür.

p.s. – diese gedanken gingen mir durch den kopf als ich „besuch“ von trümmermädchen (blogroll) las.