wagenmeister richard

 

wagebrad mit feder

opa richard war wagenmeister bei der detschen reichsbahn; geboren im selben jahr wie der gröfaz (grösste führer aller zeiten). er fertigte züge ab, die an die ostfront fuhren, die, die an die westfront fuhren, dann die, die die restlichen „unbesiegten“ soldaten 1918 nach hause fuhren. wegen dieser arbeit und einer vielzahl von kindern wurde er in beiden weltkriegen letztendlich  u.k. (unabkömmlich) gestellt. unabkömmlich heisst, man ist nicht sofort abkömmlich, an einer der vielen fronten des ersten und zweiten weltkrieges direkt erschossen zu werden. dennoch konnte einer zufällig von einer bombe getroffen werden. das ist das schicksalhafte am krieg.

opa richard hat mir knirps nichts vom krieg erzählt. er hat überhaupt sehr wenig erzählt. er kramte mit einer gewissen inbrunst in seinem steinigen obstgarten, war gern für sich; beaufsichtigte manchmal mein kinderspiel in den astburgen der obstbäume, sagte kaum was. für kleine kinder war seine frau zuständig.

an die südharzstadt, in der opa richard wagenmeisterte, grenzte seit 1943 noch eine zweite, neue, stadt: sie nannte sich „lager – d“, am telephon (so schrieb man das zu der zeit)  sagte man dann “ lager – dora“. lager dora, hatte alles, was die stadt daneben auch hatte:

güterwagen

einen verschiebebahnhof,

einen appellplatz,

lagereingang mit appellplatz

appellpatz

arbeitsmöglichkeiten bis zum umfallen, in unterirdischen stollengängen,

block 8

block acht und seine produktion

kino, eine art konsum, den bahnhof, an dem sowieso nur arbeitsfähige häftlinge ankamen, ein häftlingsbordell, ein krematorium mit mehren öfen. hier sollten also die wunderwaffen für den letztendlichen sieg entstehen, die raketen, die den unendlichen glauben an den unzweifelhaften endsieg der germanen füttern sollten.

(zu dieser zeit sass mein anderer opa, opa franz, schon in russischer kriegsgefangenschaft; mein vater auf gepackten flüchtlingskoffern an der ostseeküste.)

1944 ging das evakuierte wunderwaffenwerk, von usedom kommend, im harzvorland in serienproduktion. der renomierte raketenforscher wernher von braun,  mittenmang. wagenmeister richard hatte jede menge wagen mehr abzuklopfen.
sein fußweg vom garten zum neuen verschiebbahnhof dauerte eine halbe stunde, immer am gleis lang. keiner wusste genau, auf welchen der bahnhöfe opa r. gerade dienst hatte.

lagergleis

gleis ins lager „d“

die nunmehr unterirdische wunderwaffenproduktion lief halbwegs rund. jedenfalls gab es kaum bombentreffer im lager „d“- abgesehen von der versuchten auslöschung der stadt nebenan. das passsierte anfang april 1945. die stadt wurde am 3. und 4. april 1945
kampfunfähig bombardiert. 8800 menschen starben, davon allein 1300 häftlinge die in der stadt nebenan, ausserhalb der stollen, arbeiten mussten.

gedenkstätte

stollen

gesprengter stolleneingang mit gleisresten

die nebenanstadt brannte, das lager „d“ war intakt, wurde jedoch teilweise evakuiert. das passierte in langen, oft tödlich verlaufenden fussmärschen in richtung oberharz. ein paar tage später waren amerikanische soldaten in der stadt. der raketenwunderwaffenkonstrukteur wernher von braun sah, gemeinsam mit einem kleinen mitarbeiterstab, gefasst seiner gefangennahme entgegen. drei woche später war der gröfaz geschichte; sein krieg mit einer bedingungslosen kapitulation beendet.

luftbild lager dora

luftaufnahme, lager „d“, april 1945

zurück:

die stadt neben dem lager brannte tagelang. meine mutter, bdm* – dienstverpflichtet bei einem förster in den harzbergen, sah’s mit schrecken.

*bdm = bund deutscher mädchen

nun waren nichtevakuierte überlebende häftlinge des lagers „d“ befeit, ohne sofort viel mit ihrer freiheit anfangen zu können. gut – sie durften die nebenanstadt plündern, doch die glimmte noch vor sich hin. zu holen war da nicht viel. einige häftlinge erinnerten sich  ihrer aussenkommandos. und jetzt kommt opa richard wieder ins spiel. der hatte doch in steiniger hanglage einen obstgarten, dort sollten sie mal zur erntezeit helfen, und richtig : dort, im garten, befand sich auch noch das geerntete, nunmehr eingeweckt. opa richard musst die kleine kellerklappe öffnen, alles eingekochte rausrücken; dann fiel die kellerklappe für ein paar stunden. er kam mit dem schrecken davon. allerdings..das eingeweckte obst war weg. die ehemaligen „erntehelfer“ ebenfalls. sie nannten sich nun: displaced person (dp), einige wohnten weiter im unzerstörten lager „d“ und warteten ab, was konferenzen ergeben würden.

ein paar wochen später zogen die amerikaner samt wunderwaffentechnik aus lager „d“ ab. das land thüringen wurde gegen westberlin eingetauscht. die anderen sieger, die mit mit dem roten stern, statt des sternbanners, kamen anfang juli 1945.

die rot-stern-sieger kontrollierten die hinterlassenachaft des untegegangen reiches und das, was die abgezogenen amerikaner ihnen liessen. im lager „d“ wurden die facharbeiter der wundereaffenproduktion, soweit noch erreichbar, durchaus höflich aufgefordert, ihre koffer zu packen, und samt familie, wenn nötig, in richtung moskau umzusiedeln. wieder fertige wagenmeister richard ostwärtig fahrende züge ab.

mutters anstellung beim förster in den harzbergen hatte sich erledigt: die kontrollierenden besatzer,  konnten mit der tatsache förster & jagdwaffe wenig anfangen. sie beseitigten die  vermeintliche werwolfgefahr ein für alle male. mutter hatte nun keinen arbeitgeber mehr. ihre dienstverpflichtung hatte sich entpflichtet. sie lief zurück in die zerbombte stadt, sah allem, was da kommen sollte mit angezweilfelten gottvertrauen entgegen.

die züge die wagenmeister richard jetzt abfertigte, gingen, mit maschinen aus der wunderwaffenfabrik, hauptsächlich in richtung ural. anfangs kamen, im gegenverkehr, noch einige flüchtlinge aus der „kalten heimat“ mit. das liess bald nach. und überhaupt wurde der bahnverkehr wieder neu ausgerichtet. passierscheine wurden nötig.

lagertor rangiergleis

zugangstor zum rangiergleis

opa richard war vom schichtdienst in zwei weltkriegen gezeichnet. er wurde in rente geschickt. wagenmeister richard a.d. kümmerte sich nun nur noch um seinen obstgarten. seine frau kochte weiterhin die auskömmliche ernte ein. richard half ihr, die gläser im gartenkeller zu verstauen. er selbst stieg nie wieder runter.

einige jahre später, es war gerade winter mit schnee und eis, rutsche opa vor dem kleinen gartenhaus aus. er fiel heftig. ein blutgerinsel blieb, verstopfte die lunge.

wagenmeister richard a.d. verstarb kurz darauf im wintergarten. seine frau folgte ihm einige jahre später. sie hinterliess drei regale mit eingekochtem im keller des gartenhauses. dieser schatz steht noch immer in den kellerregalen meiner betagten mutter. der obstgarten wurde mangels pfleger verkauft.

die meisten stollen im lager „d“ wurden gesprengt. zwei übriggebliebene wurden als kartoffellager genutzt. in den neunziger jahren des zwanzigsten jahrhunderts entstand auf dem lagergelände des lagers dora eine würdige gedenkstätte.

eingang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fehlschuss und abmahnung

nach der schule ging es in den hort. gross trödeln war nicht. das hortessen wartete. es war dasselbe, das es auch im großbetrieb der eltern gab. vater und mutter arbeiteten dort, vater mehr extern. er war zu einem ingenieurstudium delegiert, zwecks qualifizierung. ich qualifizierte mich sowieso, in der dritten klasse einer polytechnischen oberschule. zu diesem betriebshort mussten wir noch eine halbe stunde laufen. so war hunger vorprogrammiert.

der speisraum war geschmückt mit einem porträt des staatspräsidenten – wilhelm pieck.
den rang gab es zu dieser zeit schon nicht mehr. es regierte der spitzbart. durfte keiner sagen, aber – alle wussten wer gemeint war. an diesem tag gab es hühnerfrikasseé – eine meiner leibspeisen. irgendein mitschüler beschoss mich mit dem „gabelkatapult“ darauf ein kartoffelstückchen. sofort revanchierte ich mich, hatte aber schon frikasseé auf der gabel.

das unheil nahm seinen lauf. wegen meiner sofortigen gegenwehr landete der gabelschuss nicht beim gegenüber sondern ..genau auf dem präsidentenporträt – grosses gejohle. das schreckte auch die erwachsene speisraumhilfsaufsicht hoch. der attentäter war schnell gefunden. noch vor dem allgemeinen verhör stellte ich mich. nach meiner hochnotpeinlichen befragung war jeglicher hunger verschwunden. ich hatte eine art abmahnung den eltern zu übergeben.

es ging um den erzieherischen staatsbürgerlichen einfluss meiner eltern. es gab eine vorladung der erziehungsberechtigten und im anschluss eine tracht prügel für mich. meinem vater hätten bei wiederholung meinerseits, schwierigkeiten mit dem studium seinerseits bevorgestanden.
im hort verpflichtet ich mich, künftig gesellschaftlich aktiver zu sein. ich trat in die volkstanzgruppe des hortes ein. zum nächsten elternabend schon, nach etwa drei wochen, erfolgte der erste auftritt, ein getanztes menuett nach mozart. ich gab mir die größte mühe. mein vater lachte tränen. ich war vorerst rehabilitiert*.

*volkstanz und weiteres völkische hatte sich für mich erledigt.

 

 

privat-i-sierung

22. januar 2019 – das eu-geldgeberkonsortium ist mit der griechenlandfinanzrettung halbwegs zufrieden. man will noch alle vierteljahre schauen, ob die vielen milliarden euro, die in das land gepumpt wurden, diesmal in den richtigen kanälen verschwunden sind. da geht es um staatseigentum an der infrastruktur wie flugplätze, häfen, bahnen, die nach auffassung der geldgeber privatisiert gehören. nur gehörig privatisierter besitz ist die voraussetzung dafür, dass eine daniederliegende volkswirtschaft, wie z.b. die griechische, wieder auf die  privaten beine kommt. je umfänglicher die privatisierungshausaufgaben erledigt werden, desto besser. beinahe wäre es schief gegangen mit der rettung der priavtinteressen…und die griechen hätten sich selbt gerettet; so ähnlich wie seinerzeit münchhausen aus dem sumpf. nun, sie hätten sogar verbündete gefunden. allein das zu verhindern, das verlassen, des europäischen neoliberalen kurses, das war schon die geliehenen (gut verzinsten) milliarden euro wert.

ist ein unternehmen vollständig privatisiert, kann es auch schonmal den unternehmenssitz dahin verlagern, wo der gewinn noch günstiger als im land der beschäftigten versteuert werden kann. das nennt sich dan globalisierung. kann man aber nichts machen, aussser, die bude dicht.*

 

*genau an dieser stelle beisst sich die privatisierte katze in den schwanz.

nase

dem alten mann im konsum lief die nase. erbarumgslos tropfte die nase. er stand zittrig im laden, direkt vor mir und nannte seine buttermarkennummer…die butter war ihm aber doch zu teuer. er nahm die günstigere magarine, ein halbes brot, drei ganze salzheringe und eine flasche rapsöl. das würde reichen bis zum nächsten wocheneinkauf.

er wohnte nebenan, noch in den trümmern seines eigenen grundstückes in dem seine familie in den bombennächten des auslaufenden krieges umkam. er selbst war zu der kriegszeit 59 jahre alt, jung genug für den volkssturm und kriegsverwendungsfähig.. trotz einer halben lunge, einer verletzung aus dem krieg davor.  er sollte mit einer panzerfaust die heranrückenden amerikaner aufhalten, die ein paar tage zuvor seine/meine heimatstadt, nachts, bei einem der letzte bombenangriffe in schutt und asche legten. sein haus brannte dabei bis auf die grundmauern ab. nach kurzer gefangennahme wurde der alte mann im mai 45 nach „hause“ entlassen. die zerbombte stadt brannte nicht mehr, sie glimmte nur noch.

er fand seine familie, danach sei er wahnsinnig geworden, sagten die nachbarn aus den nicht zerstörten häusern. in den 60’ern musste keiner mehr in trümmern wohnen, auch im osten nicht, auch der alte mann nicht. der mann hatte sich in seinem trümmergrundstück eingerichtet. zwei kellerräume (küche, schlafzimmer und sehr viel keller) reichten ihm. er kam mit der zugeteilten kohle auch über die langen winter zurecht. strom und wasser hatte er (sehr lange) nicht. wir halbwüchsigen waren sehr frech in diesen trümmergrundstücken. uns gehörte die halbe stadt. die ander hälfte mussten wir an eine stärkere bande abtreten. am stärksten war die bande, die über die trümmer des lager doras herrschte. da trauten wir uns nicht ran; das ging in ein stollensystem. auch den alten mann liessen wir in ruhe. seine nase lief immer.. man konnte sich die tränen hinzu denken.

dann kam ein sehr kalter winter, mitte der sechziger jahre. wer konnte, sollte kohle mit in die schule bringen. zusätzlich für privathaushalte gab es nichts. dazu war alles total verschneit, irgendwie romantisch für uns. weil die schule nicht mehr beheizt wurde,  gab es ein paar tage mehr winterferien. wir genossen die langen freien februartage auf schlitteneisbahnen. das trümmergrundstück des alten mannes war unter den schneemassen nicht mehr auszumachen. es bemerkte keiner, dass eine aschetonne weniger an der strasse stand.

nachdem frühjahrestauwetter fiel uns spielenden kindern zuerst eine halbverhungerte katze auf. sie war so dünn geworden, dass sie wieder durch die holzverschlaggatter der kellerwohnung passte. wir kannten sie noch als fetten scheuen kater. ein paar tage später hingen sehr dicke neue vorhängeschlösser am zugang zur kellerwohnung des alten mannes.

das grundstück blieb bis zur wendezeit (1990) verschlossen. die vorhängeschlösser waren verrostet.

alle findelkatzen die wir bis dahin aufzogen, kamen aus diesem trümmergrundstück.

bloomsday 2017

bloomsday in dublin? .. das kann eine offizielle führung durch das joyce-center sein, oder ein ausgelassenes strassenfest in glasthule..auf alle fälle soll ein dichter gefeiert werden, besser sein roman ullysses der am 16.6. 1904 beginnt und endet.

auf dem weg ins joyce-centre blieb ich beim strassenfest in glasthule hängen. ich fotografierte die chefin vom „queens “ sie lud mich zum lunch ein, for free. das queens sonst begräbnisfeiern ausrichtet, spielte am bloomsday keine rolle. an diesem tag wird nicht gestorben. vieles war an diesem tag for free oder verhandelbar..bis fast geschenkt. als deutscher, war man willkommen und fast jeder ire war schon mal in köln, leipzig oder berlin gewesen..oder hatte da einen bekannten. ich gab mich als joyce-kenner zu erkennen, zumindest hatte ich das erste kapitel von ulysses vollständig gelesen. das reichte, um mich in den golfclub der stadt einzuführen. der präsident liess sich mit mir fotografieren.. für diesen abend wurde ich ehrenmitglied und ich musste versprechen, mit all meinen freunden wieder zu kommen. im club wurde joyce mit texten und liedern gefeiert. wer kein instrument spielt, singt dafür umso besser. text vergessen? kein problem..einer der gäste weiss bei dieser ritualisierten feier immer weiter. 

das golfen nicht mein ding ist, musste ich zum glück an diesen abend nicht erklären.

alle oder keiner

vor mehr als zwanzig jahren spielten „die seilschaft“ zum letzten mal, hier in der kulturbrauerei mitten im stadtbezirk prenzlauer berg, ihr letztes umjubeltes konzert. und an diesem donnerstag im november 2016, war es fast wieder so, wie vor zwanzig jahren.

nun gut, alle sind ein bisschen älter geworden und den sängerpart vom plötzliche verstorbenen  bandgründer gundermann hat christian haase übernommen.

christian-haase

christian haase

stimmigerweise teilte er sich diesen job mit andy wieczorek und mario ferraro, gründungsmitglieder der band, die gundermann noch kannten.

das, was christian haase  von gundermann interpretierte paste, war excellent – sowohl vom charisma her als auch die qualität der interpretation.

ein konzert in bester gundermanntraditon in der ausverkauften kulturbrauerei in 2016?

gundermann selbst hätte zwanzig jahre nach seinem tod wohl am wenigsten damit gerechnet. aber, die zeiten sind so.

tina

tina powileit (drums) und christoph frenz (bass)

eigenartigerweise sind die  die gundermanntexte die die grundlage des konzerts bildeten, so frisch, so stimmig, als wären sie gestern geschrieben. die neuen songs der seilschaft passen sich millimetergenau ein.

auch leute, die zu der zeit noch gar nicht geboren waren, stimmten in die gesänge ein, erlagen dieser spröden baggerfahrerposie. es ist diese einzigartigkeit, wie brunhilde und sieglinde besungen werden. es ist gundermanns seherische gabe, immer wieder das gras wachsen zu lassen.

seilschaft

nach der letzten zugabe, kulturbrauerei berin, nov 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

pöbel pöbelt

…pöbel pöbelt nun mal. soweit so gut. was sich in dresden an einem wichtigen datum, einen dritten oktober zeigte, hat einen bitteren beigeschmack.  während in berlin der bundeshauptstadt, fast täglich für und gegen alles mögliche demonstriert wird, wird in dresden seit monaten kontinuierlich nur gegen zuwanderer und gegen deren mitgebrachte religion gestritten.  ich bin kein fan dieser religion oder überhaupt einer religion. wir haben jedoch eine vergangenheit zu der diese religionen gehören. und wir haben eine zukunft die wir nur erleben, wenn wir die erde als ganzes begreifen und gestalten. da helfen religionen nicht mehr. da hilft nur wissen, wie wir wasser in die sarah kriegen und strom aus der sonne. hinter den fluchten der zuwanderer steht das geschäftsmodell der fluchthelfer. überall wo flucht massenhaft stattfindet, gibt es das geschäftsmodell der fluchthelfer(schlepper). ein sehr einfaches geschäftsmodell, ähnlich dem des biblischen zöllners.

gegen diesen teil der zuwanderer demonstrieren also  bemerkenswerte teile der dresdener die sich in dieser stadt sehr wohl fühlen würden, wenn es dieses „gesox“ nicht gäbe. das tolle daran – dieser protest ist durch meinungsfreiheit  gedeckt. das schlechte, es schadet dem ansehen der stadt, dem land, dem ansehen der sachsen, dem der ostdeutschen. dieser protest verdrängt die erinnerung an den mut der leipziger und dresdener, die vor 26 jahren auf die strasse gingen ohne die sicherheit  dieser meinungsfreiheit. sie wollten es denen da oben zeigen und haben es ihnen gezeigt; haben ihre persönliche freiheit dafür riskiert, ihre jobs…ja, es ist nicht pathetisch zu sagen: ihr leben.

daran wird ein paar tage später, am neunten november, dem tag des mauerfalls, erinnert werden. es ging um lang anstehende veränderungen in  diesem land, um ein lebenswertes leben, dass man leben kann, auch wenn man bleibt. es ging darum, die wahl zu haben, gehen oder bleiben zu können. reisen können, andere kulturen kennen lernen dürfen. es ging nicht darum, andere kulturen abzulehnen, auszugrenzen. es ging um menschenrechte.

menschenrechte – das sind immer rechte für alle. das sind keine auschliesslichkeiten, für einen kreis exklusiver dresdener oder meissnerer. es ist das recht auf teneriffa zu leben, oder als spanier in dresden. das beschämende ist, und damit komme ich zum kern dieser schreibe, dass das wieder erwähnt, wieder erstritten werden muss. es ist kein verdienst in dresden, hamburg oder berlin geboren zu sein. keiner kann sich seiner sozialisierung entziehen. es ist ein verdienst derer, die die sozialisierung beeinflussen, das immer im auge zu haben.  es lebt sich nicht gut in städten mit einem fremdenfeindlichen, rassistischen klima. es gibt andere probleme mit dem klima und die die können wir nur gemeinsam lösen.

es demonstriert sich gut, wenn ich meine zunge nicht hüten muss. es demonstriert sich besser, wenn ich sie überlegt einsetze.